Die Band Elephant aus Schweden macht Grunge Rock, deshalb wollen wir kurz einige Jahre Rockgeschichte zurückspulen.
Die Grunge Welle kam irgendwann zu Anfang der 90er Jahre aus Amerika (Seattle) zu uns nach Europa herübergeschwappt und brachte uns so gute Hardrock- / Heavy-Bands wie Pearl Jam, Soundgarden, Nirvana, Smashing Pumpkins, Afghan Whigs oder auch Alice In Chains bzw. die Stone Temple Pilots. In der Rückschau und im allgemeinen damaligen Bewußtsein sollen alle diese und tausende weitere Ami-Grunge-Bands relativ ähnlich geklungen haben.

 

Grunge war damals über mehrere Jahre relativ populär, alles war und wurde als Grunge verkauft, bis keiner mehr Grunge machen bzw. kaufen wollte. Natürlich wurde trotzdem weiter "Grunge" gemacht, nur wurde es fortan wieder als Hardrock, Heavy Metal, Noise-Rock, Alternative-Rock oder auch Underground- oder Garage-Rock bezeichnet. Wenn die Band Elephant bzw. die Infos der Plattenfirma also sagen, daß Elephant tatsächlich mit Grunge-Rock in Verbindung gebracht werden können, dann darf man gespannt sein. Und jetzt wollen wir nicht länger um den heißen Brei reden, denn Elephant erinnern wirklich an eine gute Pearl Jam-Reinkarnation. Sänger Simon Persson klingt sogar fast wie Eddie Vedder, oftmals aber noch eine Spur rauher und emotionaler. Ein Eddie Vedder/Pearl Jam-Vergleich auf der Habenseite hört sich ja erst mal gar nicht so schlecht an. Ist es auch nicht, denn was Elephant da auf ihrem Debüt anbieten, ist durchweg gut und dem althergebrachten Grunge-Rock werden durchaus noch einige neue Elemente und Tricks beigebracht.
Interessant sind vor allem die gelegentlichen psychedelisch-krautigen bis punkigen Auswüchse der Platte und der ungewöhnliche Einsatz von Posaunen, Querflöten und Electronica. Ansonsten gibt es hier solides, spannendes Songwriting, eine lebendige Produktion und einen sehr facettenreichen Sänger, der viele Tonarten und Spannungswechsel beherrscht. Elephant zeigen auf "Icebreaker", daß sie zu den immer seltener werdenden Bands zählen, denen es gelingt, ein gewisses Maß an musikalischen Visionen mit unbedingtem Streben nach Authentizität und künstlerischer Selbstbestimmung zu verbinden. Das ist nicht das Maß aller Dinge, aber ein gangbarer Weg, heute gute, abwechslungsreiche Musik zu machen. Elephant machen auch nicht den Fehler in belangloses Weichgerocke abzudriften, oder sich an pathetischen Rock-Standards abzuarbeiten. Vielleicht ist die Zeit ja reif für ein größeres Grunge-Rock Revival.

  • Liquido

    Ruft man Liquido in den Wald, so schallt es "Narcotic" oder "One Hit Wonder" heraus. Wie gemein, aber so ist das nun mal und großartig ändern wird sich daran auch nichts mehr, egal wie viele Alben Liquido noch aufnehmen werden. Vielleicht hätten Tim Eiermann (Gitarre, Gesang) und Wolle Maier (Schlagzeug) ihre Pop-Orientierung doch besser bei ihrer früheren Metal-Punk-Band "Pyogenesis" einbringen sollen.

     
  • Interpol

    Post-Punk bzw. New Wave der frühen 80er Jahre, gepaart mit den heutigen technischen Möglichkeiten. Interpol aus New York klingen düster und atmosphärisch dicht, aber ohne dabei einen nichtsagenden Soundbrei entstehen zu lassen. Jedem einzelnen Instrument wird die nötige Aufmerksamkeit geschenkt - ein dominanter Part, ein gezieltes Break, eine eigene Ebene. Es entsteht das Gefühl als wollten sich geniale Musiker gegenseitig an die Wand spielen, ohne das es dem einzelnen jemals gelingen könnte.

     
  • The Stills

    "Logic Will Break Your Heart" - Die Logik der Welt, der Druck der Gesellschaft, wie sie funktioniert - wenn du mal groß bist, das realisierst und zu spüren kriegst, dann wird es dir das naive Herz brechen. Darum geht es auf dem Debüt von The Stills aus dem Jahre 2003. Und deshalb zieht sich auch Melancholie wie ein roter Faden durch die Songs der Kanadier. Indie-Pop vom Feinsten, Marke zum-sofort-und-für-immer-lieben oder weichgespült - je nach Geschmack.