Die Band Mother's Little Helpers kommt aus Berlin und hat mit ihrem neuen, im Januar 2007 auf All Around Music erscheinenden Album "Be Hip" eine Art Konzeptalbum zum Thema "Hipness" aufgenommen. Nun gut, ein richtig verschrobenes, zweistündiges, unzugängliches Spätwerk ist es zum Glück nicht geworden, aber es geht in einigen Songs irgendwie um das leidige Thema "hip werden", "hip sein" und wahrscheinlich "hip gewesen sein".

Der Text der Plattenfirma und ein darin befindlicher Textauszug von Dexter Gordon bringt es folgendermaßen auf den Punkt bzw. gibt dem Soziologiestudenten in uns allen ausreichend Futter. Ich darf zitieren: "Trends hinterher zu jagen ist nicht hip. Bescheid zu wissen, an sich selbst glauben und sein eigenes Ding zu machen, das ist hip..." und "...der Hip-Typ sieht sich [...] immer neuen Strömungen ausgesetzt und verändert sich zwangsläufig. Ihn gibt es demnach ebenso wenig als Klischeetyp wie seine Gegenspieler." Wenn also diese noch junge Band aus Berlin "hip" ist und die Musikfans auf dieser Erde auch "hip" sind, dann besteht die große Chance, daß sich daraus irgendwann eine gewisse in sich "hippe" Schnittmenge bildet, die sich für eine unbestimmte Zeit zusammenfindet, oder eben nicht. Punkt. Gut, nachdem dies nun geklärt ist, widmen wir uns wieder der Band und der Musik der Mother's Little Helpers , denn um die soll es hier ja gehen. Die Bandbiographie umfasst bereits einige Stationen, von denen hier nur der 2. Platz beim f6-Music-Award 2002 und die Single " I'll do it for you ", Titelsong zum Kinofilm " Das Jahr der ersten Küsse " (mit Oliver Korittke ), genannt seien. Musikalisch balancieren die Mothers Little Helpers auf dem schmalen Grat zwischen Pop und Rock , jeweils mit Funk und soul igen Einschlägen. Das neue Album besticht durch seine sehr brilliant-aufpolierte Produktion und mit einer ausgewogenen Mischung aus eingängigen ( Blues -)Rocksongs und zum Teil sehr funky-tanzbaren und radiofreundlichen Nummern. Die unten angeführten Sleaze - Rock -Verweise sollen deshalb nur als ein ganz grober Anhaltspunkt für die rockigeren Stücke verstanden werden. Aber wie oben bereits erwähnt, die Band glaubt an sich und macht deshalb ihr eigenes Ding, fernab aktueller Trends und künstlerischer Homogenität. Stilmix ist angesagt, und auch wenn dieser vielleicht nicht so richtig " gehyped " werden kann, "hip" kann er natürlich trotzdem sein. Siehe oben.
Stimmlich bewegt sich Sänger Bob Greiner-Pol zwischen Joe Cocker , Max Mutzke und Chris Robinson ( The Black Crowes ). Einziger Wermutstropfen des durchaus gelungenen Albums, die Songs " Try to be hip (makes me feel) " und " Change My Mind " begeben sich schon sehr weit in das von Joe Cocker beackerte soulige Rhythm & Blues-Umfeld, welches in mir, trotz meiner fortgeschrittenen Jugend, nicht wirklich Begeisterung bzw. Behaglichkeit erzeugt. Aber das ist meine künstlerische Freiheit, mein Glaube und mein Weg, denn auch ich will "hip" sein. ;-)

[Marc Hendricks - PoprockUnion - 01/2007]


Bandmitglieder:  Bob Greiner-Pol (vocals), Stefan Henning (guitar), Paul Ballantine (keyboards), Kevin Preuhs (bass), Benedikt Stehle (drums)

Musikstil:  Blues-Rock, Indie-Funk-Pop

Vergleichbare Bands:  The Black Crowes, The Throbs, Shanghai'd Guts, Joe Cocker, Aerosmith


Ausgewählte Diskographie:

Protect The Innocent (2005)    
Be Hip (LP, 2007)

Song-Empfehlungen:

1. Here We Come  
2. Rock Song  
3. Take Me Back  
4. Be Free  
5. Satellite No. 2









  • Pardon Ms. Arden

    Passend zum gefühlten Sommeranfang und gewissermaßen als melodiegeladenen Ostergruß, schickte uns Bastian Hager von I Hate Music Records das Albumdebüt von Pardon Ms. Arden. Das Erstlingswerk dieser jungen Münchner Band heißt "I Bet You're Pardon Ms. Arden" und erscheint im April 2007. Der ausführliche und blumig-wortgewaltige Infobrief der Plattenfirma sagt über diese Band, daß man diese drei Musiker ungestraft in die große Schublade mit bzw. zwischen Oasis und Mando Diao stecken darf.

     
  • Eels

    Zu Beginn ihrer Karriere machte Ober-Aal "E" mit seinen Eels einen feinen, ruhigen Gitarren-Pop. Danach wurde es poppig-bedrückend, später etwas niedlich-sarkastisch und dann krautrockig. Insgesamt ist Mastermind "E" also ein recht vielseitiger Kautz, der es immer versteht seine momentane Gefühlslage in den Songs widerzuspiegeln. Deshalb muß man die Eels eher als Gesamtkunstwerk betrachten und mögen, ansonsten wird einem diese musikalische Selbsthypnose insgesamt verschroben und richtungslos vorkommen.

     
  • Razorlight

    Komisch, in der Vergangenheit haben wir ja gerne mal die Band Razorlight als Vergleich herangezogen, scheinbar ist aber niemandem die fehlende Bandinfo aufgefallen. Na ja, möglicherweise fehlen hier einfach zu viele wichtige Künstler, so daß selbst die Redaktion den Überblick verloren hat.