In den 80er Jahren hätte ich diese Platte schon alleine wegen des Cover-Artworks nicht gekauft. Zu sehr hätte ich damals die unausweichlichen Sympathiebekundungen von Fancy- und Moti Special-Fans gefürchtet. Heute lassen sich mögliche Geschmacksverirrungen zum Glück anonymer abwickeln und deshalb kann ich hier nun den Review zu The Dark Romantics beisteuern. Die Band stammt aus Florida und, soviel vorab, das Cover täuscht ein wenig, aber auch nicht komplett. Ich persönlich hätte schwülstige 80er Synthie-Musik mit leichtem Gothic Touch erwartet.

Das Debütalbum "Some Midnight Kissin'" geht aber in Richtung Gothic-Rock mit Glam-Einschlag. Die mittneunziger Britrock Band Marion (bzw. deren Album The Program ) wäre für mich ein guter Bezugspunkt. Da mit diesem Vergleich nur wenige etwas anfangen können, möchte ich noch hinzufügen, daß man natürlich ebenso The Killers nennen könnte. Gute Ansätze sind also vorhanden, aber einiges ist ausbaufähig. Die Melodien klingen irgendwie bekannt, zumindest aber drängen sich keine cheesigen Synthie-Sounds in den Vordergrund und das rockige Fundament dominiert. Allerdings findet man auf " Some Midnight Kissin' " auch keine wirklichen Innovationen, d.h. es gibt schon reichlich Bands die in den letzten fünf Jahren eine ähnliche Rezeptur richtungsweisend angemischt hatten. Stimmlich bewegt sich Sänger Eric Collins zwischen Matthew Bellamy von Muse und Brandon Flowers von den Killers . Produziert wurde die LP von Jason Martin (von Starflyer 59 ). Die 10 Wave-Rock-Nummern auf diesem Album sind durchweg tanzbar, als weitere Singles neben "Another Song for Another Night" drängen sich "Where do we go from here?" und "Baby Boy, Baby Girl" auf. Etwas aus dem Rahmen fällt lediglich der Song "This is the Sound" der härtere Töne, im Stile von Marilyn Manson bzw. Monster Magnet, anschlägt. Sicherlich kein schlechtes Albumdebüt welches The Dark Romantics hier abgeliefert haben, dennoch dürfte der große und lange Erfolgszug für diese New-Wave- und Postpunk-Anleihen langsam aber sicher abgefahren sein. Anm. der Red.: Diese und ähnliche Schlußbemerkungen haben wir schon oft von Matthias gehört. Trotzdem dürfen wir davon ausgehen, daß er sich auch die nächste und übernächste Interpol-, Editors- und Killers-Kopie ungehört (absichtliches Wortspiel!) ins Regal stellen wird.

[Matthias Kammer für PoprockUnion 08/2007]


Bandmitglieder:  Eric Collins (vocals, guitar), Dean Paul (guitar, vocals), Amanda Jones (keyboards), Carla Jones (bass), Fifi Salomon (drums)

Musikstil:  Indie-Rock, New Wave, Gothic-Rock

Vergleichbare Bands:  Marion, Gene Loves Jezebel , The Cinematics, Campsite, The Killers, The Departure, The Strokes, The Chameleons, I Love You But I've Chosen Darkness, Muse


Ausgewählte Diskographie:

Some Midnight Kissin' (LP, 2007) 
Heartbreaker (LP, 2008)


Song-Empfehlungen:

1. Where Do We Go from Here?
2. Of Loving Me
3. Another Song for Another Night
4. Baby Boy…Baby Girl
5. She’s A Fire
6. Let's Ride

  • Adam & The Ants

    Adam Ant, auch nicht gerade ideal für kurze Beschreibungen. So ganz spontan könnte man ja denken, eine typische frühachtziger Post-Punk-Erscheinung. Da Hayzee Fantayzee das vom Punk hinterlassene Vakuum nicht wirklich ausfüllten und auch Shakin' Stevens nicht die gesamte Jugendkultur abdecken konnte, mußte schnellstmöglich Ersatzbefriedigung her.

     
  • Duels

    Die Duels sind eine Band aus dem englischen Leeds und wenn wir nicht gleichzeitig den Campsite-Review ins Netz stellen würden, dann würden wir ganz offen sagen, daß die Duels sich auf ihrem Debütalbum oft an den Killers orientieren (Once In The Night, Brothers & Sisters, Things, Potential Futures). Da wir aber auch Meister der unterschwelligen Kritik sind und Tom, wohlgemerkt ein großer Fan dieser Platte, uns freundlicherweise die CD zur Verfügung gestellt hat, müssen wir andere Worte für das Debut "The Bright Lights & What I Should Have Learned" finden.

     
  • Chumbawamba

    Wahrscheinlich liegt man nicht so falsch wenn Chumbawamba irgendwann in der Rückschau als One-Hit-Wonder auftauchen, denn "Tubthumping" war 1997 mehr als nur ein Underground-Hit und weitere Details stoßen in diesem Geltungsbereich ja allgemeinhin auf Desinteresse.