Als The Stone Roses im Jahre 1985 in Manchester gegründet wurden, war eine große Karriere nicht unbedingt abzusehen. Zu jener Zeit wechselten sie von Kleinstlabel zu Kleinstlabel, produzierten mit Egozentriker Martin Hannett die nicht besonders erfolgreiche Single "So young/Tell me" und wurden obendrein von der englischen Musikpresse als minder talentierte Gothic-Rockband bzw. als Chameleons -Kopie abgefertigt. Die Arbeiten an einer kompletten LP verliefen im Sand.

Erst 1987 wendete sich langsam das Blatt als die Stone Roses ihre zweite Single veröffentlichten. "Sally Cinnamon" erschien auf FM Revolver Records und der Sound der Band hatte sich merklich verändert, die Band spielte jetzt leichten melodiösen Indiepop. Sie orientierten sich am Gitarrenpop der Byrds oder auch an Primal Scream , die zur damaligen Zeit ebenfalls mit 60er-Gitarrensound erste Erfolge feierten. Anfang 1988 wurde dann die Single "Elephant Stone" aufgenommen, welche im Zuge eines Vertrags mit Rough Trade erscheinen sollte. Peter Hook von New Order übernahm die Produktion, aber Rough Trade machte in letzter Sekunde einen Rückzieher, so daß die Stone Roses für die fertige Single ein anderes Label suchen mußten. Silvertone Records sprang in die Bresche und der treibende, melodisch-psychedelische Song " Elephant Stone " konnte daraufhin Ende 1988 doch noch erscheinen. Die Single erreichte Platz 27 in den Indie Charts, bekam einige gute Reviews und vor allem in der Gegend um Manchester wuchs die Fan-Basis. Ein landesweiter Erfolg in England blieb jedoch aus, obwohl The Stone Roses zu diesem Zeitpunkt schon alle Facetten ihres späteren Erfolgsrezepts offenbarten. Johne Squire übernahm die Cover-Gestaltung, mit "The Hardest Thing In The World" hatte die Band eine schöne B-Seite und es gab auch schon die obligatorische Song-Zweitverwertung mit den teilweise rückwärts abgespielten Spuren der A-Seite ("Full Fatham Five" eine Studio-Trickserei von Paul Schroeder/The Garage Flowers ). Im Jahre 1989 erscheint dann das von John Leckie produzierte Debütalbum "The Stone Roses". Die Platte erreicht die eher mäßige Position 19 der britischen Album-Charts und auch die Singles "She Bangs The Drums" und "Made Of Stone" waren nicht unbedingt große Verkaufserfolge. Dennoch war die Musikpresse von der Qualität der Band überzeugt und lobte schon damals das Albumdebüt der Stone Roses als Meisterwerk des britischen Gitarrenpops.
Heutzutage zählt die Band um John Squire und Ian Brown zu den einflußreichsten britischen Acts aller Zeiten und man findet das Album fast immer auf den vordersten Plätzen in den ewigen Bestenlisten der englischen Musikzeitschriften. Ihren Kultstatus verdanken die Stones Roses aber nicht nur ihrem großartigen Debütalbum, sondern zu einem erheblichen Teil auch der Madchester-Rave -Bewegung. Diese kurzlebige Erscheinung (1990-1991) aus der Club-Kultur verwischte die Genre-Grenzen zwischen Rock- und Dance-Musik, indem klassische Indie-Rock-Songs von berühmten House-Remixern ( Paul Oakenfold, Steve Osborne, Terry Farley, Andrew Weatherall, Danny Ramplin g usw.) zu psychedelisch-epischen Dancefloor-Nummern aufpoliert wurden. Neben den Happy Mondays und Primal Scream gelten die Stone Roses als das Aushängeschild dieser Indie-Bewegung, obwohl die melodiösen und gitarrenlastigen Songs der Stone Roses im eigentlichen Sinne nicht mit den Rave-Remixen vergleichbar waren. Dennoch lieferte die Band mit der 10-Minuten-Single " Fools Gold " die Blaupause für einen hypnotischen Funk-Breakbeat-Groove und die inoffizielle Gitarren-Rave-Hymne auf die sich alle einigen konnten. Die Doppel-A-Seite "Fools Gold/What The World Is Waiting For" erreichte Ende 1989 Platz 8 in den UK-Charts und ist noch heute der bekannteste Song der Stone Roses .
Was danach folgte kann gleichermaßen mit Höhepunkt und Sell-Out des Rave bzw. der Stone Roses umschrieben werden. Im Fahrwasser des Erfolges der Happy Mondays und der Stone Roses dominiert der Madchester-Rave 1990 die britischen Charts. Neue Rave-Bands und geremixte Indie-Hits schießen wie Pilze aus dem Boden. The Charlatans, Inspiral Carpets, The Farm, Flowered Up, My Jealous God, The Soup Drageons, Jesus Jones oder EMF feiern ihre größten Erfolge. The Stone Roses spielen das legendäre Spike Island-Festival, ein selbstorganisiertes Konzert vor ca. 30000 Ravern. Silvertone Records veröffentlicht im Frühjahr des Jahres 1990 erneut alle alten Singles der Stone Roses . Erst im Juli erscheint mit "One Love" ein völlig neuer Song - der letzte für die kommenden vier Jahre. Aufgrund der vielen Charterfolge im Zuge der Wiederveröffentlichungen waren einige Major-Label auf die Band aufmerksam geworden. Verständlicherweise wollte Silvertone sein Zugpferd aber nicht gehen lassen, die Band hatte einen längerfristigen Vertrag unterschrieben, so daß es zu einer längeren gerichtlichen Auseinandersetzung kommt.

Erst 1994 erscheint das zweite Album "Second Coming" bei Geffen Records , eine eher richtungslose Platte mit einigen Blues-Rock-Tendenzen und 70er-Hardrock-Anleihen. Nur wenige Elemente des typischen Rave-Sounds ("Love Spreads") waren noch vorhanden und auch der frühere Jangle-Gitarrenpop im Stile der Byrds war fast gänzlich verschwunden. Die LP erreichte Platz 4 der UK-Charts. Trotzdem war die Zeit für The Stone Roses nicht stehengeblieben, die Rave-Bewegung hatte den Sellout nicht überlebt und auch die ehemals kreative Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen Squire/Brown war in die Jahre gekommen. Als im Jahre 1995 Schlagzeuger Alan Wren die Band verläßt ist das Ende der Stone Roses längst absehbar. 1996 kehrt dann auch noch Gitarrist und Songwriter John Squire der Band den Rücken und gründet die Band The Seahorses . Als Schlusspunkt folgt ein katastrophaler Auftritt beim Reading -Festival im Jahre 1996, der das Ende der Stone Roses besiegelt.

[PoprockUnion 12/2006]


Bandmitglieder:  Ian Brown (vocals), John Squire (guitar), Gary 'Mani' Mounfield (bass), Alan 'Reni' Wren (drums)

Musikstil:  Madchester-Rave, Britpop

Vergleichbare Bands:  Campaq Velocet, Kasabian, The Seahorses, Primal Scream, The Twang, Oasis , Doves , Ian Brown


Ausgewählte Diskographie:

The Stone Roses (self-titled, LP, 1989) 
Second Coming (LP, 1994)


Song-Empfehlungen:

1. Fools Gold
2. Made Of Stone
3. I Am The Resurrection
4. Where Angels Play
5. (Song For My) Sugar Spun Sister
6. This Is The One
7. Elephant Stone
8. Sally Cinnamon





  • Eels

    Zu Beginn ihrer Karriere machte Ober-Aal "E" mit seinen Eels einen feinen, ruhigen Gitarren-Pop. Danach wurde es poppig-bedrückend, später etwas niedlich-sarkastisch und dann krautrockig. Insgesamt ist Mastermind "E" also ein recht vielseitiger Kautz, der es immer versteht seine momentane Gefühlslage in den Songs widerzuspiegeln. Deshalb muß man die Eels eher als Gesamtkunstwerk betrachten und mögen, ansonsten wird einem diese musikalische Selbsthypnose insgesamt verschroben und richtungslos vorkommen.

     
  • The Subways

    "Young For Eternity", das Debüt der Subways ist eines dieser Alben, das man einmal hört und dann sofort mitrockt. Frischer Rock, so wie es einst Ash mit "1977" geschafft haben, die Vines mit "Highly Evolved" oder Mando Diao mit "Hurricane Bar". Musik, die andererseits vielleicht zu simpel gestrickt ist. Zu schnell verfällt. Trotzdem holten sie sich damit eine der Kronen für die Newcomerband des Jahres 2005.

     
  • Kings Of Convenience

    Im Jahr 2001 wurde dem geneigten Gitarrenpop-Hörer erzählt, daß nun akustische Gitarren und spärliche Instrumentierungen auf dem Vormarsch seien. Recht passend, wenn auch zufällig, nannten die Norweger Erlend Oye und Eirik Glambek Boe ihr Debut-Album "Quiet is the new loud". Zeitlos unprätentiös gehen die Kings of Convenience dann auch zu Werke, denn die schlichte Schönheit der einzelnen Songs wird hier in den Vordergrund gestellt.