2002 warfen The Vines die Bombe „Get Free“ von Australien aus in die ganze Welt und sorgten dafür, daß gelangweilte Anhänger der Kategorie Rock/Alternative einen Grund hatten, die Wände hochzugehen und an der Decke zu tanzen. Nach ihrem Debüt „Highly Evolved“ vom NME gar zur Zukunft des Rock erklärt, folgte 2004 „Winning Days“.

Und als man sich noch fragte, wer oder was dieser Frontmann nur ist, der sich so „unnormal“ verhielt, verrückt schien, kam die Antwort: die darauffolgende Tour sollte den Vines ganz schnell das genaue Gegenteil von winning days bringen: das Ende der Band. Das lag nicht einmal unbedingt daran, daß sie mit dem Nachfolger ungefähr dasselbe ein zweites Mal abgeliefert hatten, sondern an der Diagnose Ende 2004: Craig Nicholls leidet am Asperger-Syndrom, einer abgemilderten From von Autismus. Und diese Nervenerkrankung führt gelinde ausgedrückt zu Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion. Andererseits ist sie aber auch oft mit einer Inselbegabung verbunden, wie in Nicholls Fall die Musik, das Texten. Mit der Unterstützung seiner Familie und Freunde bekam er die nötige Routine in sein Leben. So daß Anfang 2006 ein neues Album angekündigt werden konnte: „Vision Valley“. Eine Fortsetzung scheint also gesichert, zumal für Nicholls die Musik wohl die beste Therapie ist. Auf Touren wird man allerdings vergeblich warten dürfen. Der Verrücktheit einen Namen geben: entweder man nennt es Asperger-Syndrom oder The Vines.

[Juliane Ried]


Bandmitglieder:  Craig Nicholls (vocals, guitar), Ryan Griffiths (guitar, keyboard), Hamish Rosser (drums)

Musikstil:  Indie Rock, Garage Rock

Vergleichbare Bands:  The Von Bondies, Razorlight , Mando Diao , The Coral, The Zutons, The Subways , The Strokes, The Hives, Black Rebel Motorcycle Club


Ausgewählte Diskographie:

Highly Evolved (LP, 2002) 
Winning Days  (LP, 2004)  
Vision Valley (LP, 2006)  
Melodia (LP, 2008)


Song-Empfehlungen:

1. Get Free
2. Don’t Listen To The Radio
3. Outtathaway
4. Ride
5. He's a Rocker

  • Pardon Ms. Arden

    Passend zum gefühlten Sommeranfang und gewissermaßen als melodiegeladenen Ostergruß, schickte uns Bastian Hager von I Hate Music Records das Albumdebüt von Pardon Ms. Arden. Das Erstlingswerk dieser jungen Münchner Band heißt "I Bet You're Pardon Ms. Arden" und erscheint im April 2007. Der ausführliche und blumig-wortgewaltige Infobrief der Plattenfirma sagt über diese Band, daß man diese drei Musiker ungestraft in die große Schublade mit bzw. zwischen Oasis und Mando Diao stecken darf.

     
  • Eels

    Zu Beginn ihrer Karriere machte Ober-Aal "E" mit seinen Eels einen feinen, ruhigen Gitarren-Pop. Danach wurde es poppig-bedrückend, später etwas niedlich-sarkastisch und dann krautrockig. Insgesamt ist Mastermind "E" also ein recht vielseitiger Kautz, der es immer versteht seine momentane Gefühlslage in den Songs widerzuspiegeln. Deshalb muß man die Eels eher als Gesamtkunstwerk betrachten und mögen, ansonsten wird einem diese musikalische Selbsthypnose insgesamt verschroben und richtungslos vorkommen.

     
  • Razorlight

    Komisch, in der Vergangenheit haben wir ja gerne mal die Band Razorlight als Vergleich herangezogen, scheinbar ist aber niemandem die fehlende Bandinfo aufgefallen. Na ja, möglicherweise fehlen hier einfach zu viele wichtige Künstler, so daß selbst die Redaktion den Überblick verloren hat.