Zugegeben, die Erkenntnis
ist nicht gänzlich neu, aber besser man sagt es gleich zu Anfang
des Jahres als verstärkende Selbstbestätigung. Also: Labrador
Records hat haufenweise gute Bands und alle Freunde des Indiepops
wissen das bereits seit Jahren. Trotzdem muß aus Gründen
der Qualitätskontrolle und Qualitätssicherung ab und zu
eine weitere Stichprobe gezogen werden.
Hier: Sambassadeur, eine Band, wo uns der
Name ähnlich viel über die Musik verrät wie bei den
Suburban Kids With Biblical Names auch. Jedenfalls soll der
Name auf einen gleichnamigen Titel ("Les Sambassadeurs")
von Serge Gainsbourg zurückzuführen sein.
Weitere Hin- und Ableitungen ersparen
wir uns, denn was soll man schon dazu sagen, wenn eine entbehrliche
LP im Jahre 1985 eine unentbehrliche CD der frühen 90er Jahre
vorweggenommen hätte, damit das Indiepublikum jetzt, nach der
Jahrtausendwende, endlich eine etwas aufpolierte Version einer hypothetischen
Sarah Records-Compilation bekommt, die sich so mancher Fan
im Kopf vielleicht längst zusammengestellt hatte. Verstanden?
Fragezeichengesicht? Nun, ein wenig Verklärung in der Rückschau
darf ja wohl noch erlaubt sein! Immerhin weiß Anna Persson
wie man Stimme und Stimmung in bittersüße Melancholie tränkt
und die teilweise recht bombastischen Arrangements hatte ich mit der
Formulierung "etwas aufpoliert" dezent angedeutet.
Sambassadeur haben auf ihrem neuen Album "Migration"
das Homerecording-Equipment eingemottet, sich mit Max Sjöholm
den lebendigen Drummer von Douglas Hart bzw. Afraid Of
Stairs ausgeborgt. Darüber hinaus wurde ein echtes Piano
und Saxophon für die Aufnahmen bemüht und die noch vorhanden
Klangfreiräume konsequent mit Synthesizer-Streichern/-Bläsern
und -Glöckchen aufgefüllt. Das macht den Sound stellenweise
zwar etwas klebrig und ich möchte mit erhobenem Zeigefinger deshalb
leicht warnend in Richtung mitt- bis spätachtziger OMD
deuten, aber ich will hier auch kein unnötiges Wasser in den
Asti Spumante giessen. "Migration" ist und bleibt
eine gelungene (Grat-)Wanderung zwischen der typischen Twee-Pop-Melodienverliebtheit
und den Errungenschaften des Synthie-Pops. Trotzdem lassen Sambassadeur
immer noch die vorhandenen Indiepop-Wurzeln durchscheinen, auch wenn
die charttauglichste Single ("Final Say") ganz
unverblümt den Pet Shop Boys-Eurodance-Dampfhammer auspackt.
Dafür klingt der Synthesizer-Sound von "That Town"
wieder so wunderbar nach dem alten Commodore 64-SID Chip.
Insgesamt ein großartiges Album mit zahlreichen möglichen
Single-Auskopplungen, welches auch nach vielen Dauerrotationen noch
Spaß macht.
"Migration" von Sambassadeur
ist bereits bei Labrador Records/Broken Silence
erschienen - ja, sogar hier in Deutschland, was mit unserer Entdeckung
der Langsamkeit zu tun hat.
[Marc Hendricks 01/2008 für PoprockUnion]
Mitglieder:
(Band Members)
- Anna Persson (vocals, guitar), Daniel Permbo (vocals, guitar), Joachim Läckberg (guitar), Daniel Tolergård (bass)
Musikstil/-Genre:
(Musical Style/Genre)
- Indiepop, Twee-Pop, Synthie-Pop
Vergleichbare Bands:
(Similar Artists)
- Heavenly, The Heart Throbs, The Field Mice, Belle & Sebastian, OMD, Club 8, Irene, The Radio Dept., The Legends, The Mary Onettes
External Links:
- Sambassadeur (Official Site) oder Sambassadeur (Myspace)
Ausgewählte Diskographie:
(Selected Discography)
- Sambassadeur (LP, 2005)
- Coastal Affairs (EP, 2006)
- Migration (LP, 2008)
Song-Empfehlungen:
- 1. Final Say
- 2. Subtle Changes
- 3. The Park
- 4. That Town
- 5. Kate
- 6. Between The Lines

