Plattenfirmen fahren nur dann längerfristige Gewinne ein, wenn
sie Bands herausbringen bzw. produzieren, die auch dauerhaft präsent
sind und künstlerisches Potential offenbaren. Selbsternannte
Retortencombos mit immer kürzeren Halbwertszeiten stehen aber
dort auf den Plänen zur Bedarfserfüllung. Deshalb darf man
sich auch nicht wundern, daß die Musikindustrie in den letzten
Jahren immer größere Verluste bejammert und junge, ehrgeizige
Bands wie Steep aus München bereits
ihr drittes, selbstproduziertes Album im Eigenvertrieb veröffentlichen
müssen. Der neue Longplayer heißt "Your Reality",
er erscheint am 15.06.2007 und die Band hat uns netterweise vorab
ein Rezensionsexemplar zur Begutachtung vorgelegt.
Dieses empfehlenswerte dritte Album besitzt
zwar nur insgesamt 7 Songs, trotzdem ist das klanglich-opulente Werk
der Münchner gespickt mit zahlreichen großartigen Bindegliedern
zwischen Alternative-, Indie- und College-Rock. Genaugenommen, eben
jenen 7 Songs.
Bleiben wir aber erstmal beim Rock. Rock mit Einflüssen aus der
Popmusik, offensichtlichen Metal-Anleihen und einem Fünkchen
Britpop. Die typischen Post-Postpunk-Bands, die ich an dieser Stelle
und in der heutigen Zeit sonst gerne anbringe, bleiben hier also außen
vor. Das selbstbewusste und energiegeladene Album "Your Reality"
verbindet die nötige Härte mit einer gewissen Leichtigkeit.
Immer wieder harte und kraftvolle Gitarrenriffs, hier und da ein eingängiger
Melodiebogen und darüber die ausgesprochen angenehme und variable
Stimme von Sänger Alex Behrens. Insgesamt klingt dieses
Album, mit dem äußerst runden Songwriting und seinen ausgefeilten
Arrangements ziemlich abgeklärt und hochgradig professionell,
was bei einer so jungen Band, wie Steep es sind, schon überrascht.
Dies alles ist zwar nicht revolutionär, präsentiert aber
genau das, was auf vielen Alben von etablierten Rock-Acts fehlt, nämlich
Substanz und Kreativität. Den wohlarrangierten Songs auf "Your
Reality" hört man die Liebe zum Detail an und so haben
Steep ein durch und durch gelungenes Album geschaffen - abwechslungsreich,
kraftvoll und mitreißend. Abschließend sollten wir uns
dann noch die Frage stellen, wofür heutzutage noch teure Studios
und Produzenten gebraucht werden, wenn Steep
im bayerischen Hausham alles in Eigenregie auf die Beine stellen können?
Nun ja, in den Schoß gefallen ist diese Selbstbestimmungsfähigkeit
den vier Jungs aus dem Süden Deutschlands bestimmt nicht (oder
eben doch), denn es ist immerhin schon ihr drittes, im Eigenvertrieb
veröffentlichtes Album. In den Jungs steckt also eine gehörige
Menge Potential und scheinbar brauchen sie auch keine Plattenfirma
die den Weg weist. Vielleicht braucht die Band aber in naher Zukunft
einen Vertrieb und sollte man deshalb eine unabhängige Plattenrezension
mit den Worten "Geht auf die Bandseite und kauft diese CD!"
beenden? Wohl eher nicht. Stattdessen empfehle ich, unbedingt an-
bzw. reinhören und eine eigene Meinung bilden. Anschließend
kaufen.
[PoprockUnion - 05/2007]
Mitglieder:
(Band Members)
- Alex Behrens (vocals, guitar), Sven Kröber (guitar), Jan Reiser (bass), Benedikt Blaskovic (drums)
Musikstil/-Genre:
(Musical Style/Genre)
- Alternative-Rock, Britpop
Vergleichbare Bands:
(Similar Artists)
- Lostprophets, Snow Patrol, Jimmy Eat World, Live, Slut, Belasco, Vega4, Stone The Crow, Our Lady Peace, Raskolnikow, Hundred Reasons, Sub7even, Vertical Horizon
External Links:
- Steep (Offizielle Webseite) oder Steep (Myspace)
Ausgewählte Diskographie:
(Selected Discography)
- Human Being (LP, Eigenvertrieb, 2003)
- Azure (LP, Eigenvertrieb, 2005)
- Your Reality (LP, Eigenvertrieb, 2007)
Song-Empfehlungen:
- 1. Fly with me
- 2. Your reality
- 3. Forbidden
- 4. Love and fear
- 5. Like this

