Für mich sind The Mary Onettes das,
was für Mitredakteure, unseren Seitenbetreiber und andere Indiepop-Blogs
eine Band wie Voxtrot im letzten Jahr war. Eine Band mit
eindeutigen Verweisen an die guten alten 80er-Jahre-Indie-Zeiten.
Ferner, eine Band mit geschmackssicheren Referenzen, keinem schlechten
Song in ihrem noch übersichtlichen Repertoire und einer Plattenfirma
(Labrador Records) im Rücken, die für ihr homogenes
und stimmiges Band- und Soundumfeld bekannt ist.
The Mary Onettes wurden im Jahre 2000 in der schwedischen
Kleinstadt Jönköping gegründet. 2005 wurde die Band
für eine EP (Make Me Last) von Sony/BMG unter
Vertrag genommen. Trotz guter Reviews wurde die besagte Plattenfirma
dadurch nicht zu weiteren Veröffentlichungen bzw. einem länger
währenden Major-Vertrag angeregt. Glücklicherweise schickte
die Band aber einige Monate später eine ihrer Demo-CDs an das
schwedische Indie-Label Labrador und unterzeichnete daraufhin
noch im selben Jahr dort einen Plattenvertrag für ein komplettes
Album. Im Herbst 2006 wurde dann der Song "Lost"
auf der Labrador-Webseite zum freien Download angeboten und
wenig später folgte die gleichnamige EP als erster Beweis für
die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Band und Label.
Wie nicht anders zu erwarten, passen The
Mary Onettes vom Sound her sehr gut in das typische Labrador-Angebot.
Wer The Legends, The Radio Dept. oder South
Ambulance mag, der wird höchstwahrscheinlich auch TMO
mögen, selbst wenn die Synthie-Pop-Elemente hier noch nicht so
eine dominante Rolle einnehmen. Die Wurzeln liegen eher im 80er-Indie-Gitarrenpop,
d.h. es gibt Anleihen beim Twee-Pop (Sarah Records)
oder auch beim Gothic-Rock/Wave-Pop (Beggars Banquet,
4AD, Situation Two). Definitiv eine Band für den Merkzettel
2007.
[Update]: Mittlerweile ist das langersehnte Debütalbum
der Mary Onettes erschienen, d.h. in Deutschland
wird es am 22. Juni veröffentlicht. Deshalb möchte ich unsere
Rezension vom Januar etwas ergänzen. Das selbstbetitelte Album
erfüllt die hohen Erwartungen, auch wenn leider nur 10 Titel
auf dem Album sind, einige Songs (Void, Lost, Explosions)
schon auf den älteren EPs veröffentlicht wurden, andererseits
aber die tollen Songs der ersten EP (Make Me Last, Concrete)
keine Berücksichtigung fanden. Letzteres muß man wohl den
unterschiedlichen Plattenfirmen (s.o.) bzw. Rechteinhabern zuschreiben.
Jedenfalls sind The Mary Onettes ihrem Sound weitgehend treu
geblieben. "The Laughter" klingt nach The Cure,
"Slow" geht grob in Richtung Pet Shop Boys
und für "Still" hat "Cloudbusting"
von Kate Bush die Vorlage geliefert. Die wunderbar altmodisch
klingende Indie-Hymne "Explosions" hätte Sofia
Coppola ebenso für das Filmende von "Lost in Translation"
reservieren können wie... ihr wisst schon. Auch wenn die vier
Schweden auf diesen filmischen Ritterschlag verzichten mußten,
so sind die Titel "Explosions" und "Lost"
jetzt in Staffel 3 der Ärzteserie Grey's Anatomy zu
hören. Genauer gesagt in den Folgen S03E25 und S03E22 - dies
nur als Service-Info für die Serienjunkies.
Definitiv eines der besten Alben dieses Jahres und stimmlich erinnert
Sänger Philip Ekström tatsächlich desöfteren
an Morten Harket von A-ha (z.B. bei Void,
Under The Guillotine, Pleasure Songs). Eine äußerst
sympathische Band, die wohlgemerkt immernoch keinen schlechten Song
aufgenommen hat.
Im August wird die Band übrigens für zwei Konzerte nach
Deutschland (Hamburg & Berlin) kommen, eine längere Tour
ist für den Oktober geplant.
[Matthias Kammer 01/2007 u. Marc Hendricks 06/2007 für PoprockUnion]
Mitglieder:
(Band Members)
- Philip Ekström (vocals, guitar), Henrik Ekström (bass), Petter Agurén (guitar), Simon Fransson (drums)
Musikstil/-Genre:
(Musical Style/Genre)
- Gothic-Rock, Dark Wave
Vergleichbare Bands:
(Similar Artists)
- The Cure, Echo & The Bunnymen, Starky, The Jesus & Mary Chain, A-ha, Psychedelic Furs, New Order, The Legends, Strip Music, Clan Of Xymox
External Links:
- The Mary Onettes (Official Site) oder The Mary Onettes (Myspace)
Ausgewählte Diskographie:
(Selected Discography)
- Make Me Last (EP, 2005)
- Lost (EP, 2006)
- The Mary Onettes (self-titled, LP, 2007)
- Islands (LP, 2009)
Song-Empfehlungen:
- 1. Lost
- 2. Concrete
- 3. Explosions
- 4. Void
- 5. Make Me Last
- 6. Still
- 7. Pleasure Songs

