Der Filmpalast alias Dirk Schilling kommt aus Köln. Auf dem jetzt veröffentlichten Akustik-Album " Birth Of The Perfectly Known Stranger " zelebriert Filmpalast in charmanter Reduziertheit die Wonnen der Melancholie. Ob diese Platte jedoch die richtige Medizin für einsame Stunden, graue Herbsttage und den täglichen Blues ist, das sollte vielleicht jeder besser selbst entscheiden. Dieses Singer/Songwriter-Album besticht durch schlichtes, filigranes Gitarren-Handwerk und stimmliche Wärme.

Folkrock, der abseits vom Zeitgeist lebt und den man tunlichst nicht mit geladenen Handfeuerwaffen genießen sollte. Das Leiden und die Leidenschaft in den einzelnen Songs klingt jedenfalls echt, das glaubt man allein der Stimme. Eine Stimme die ich im Bereich zwischen Jarvis Cocker , David Sylvian und Guy Garvey verorten würde und die mit einigem Abstand nur noch durch eine Akustikgitarre getragen wird. Filmpalast - eine Band bzw. ein Projekt-Name der vielleicht etwas mehr Bombast und musikalische Opulenz verspricht - erweist sich als fähiger Singer/Songwriter, der auf " Birth Of The Perfectly Known Stranger " mit einigen wunderschönen, zerbrechlich wirkenden Balladen überzeugt. Nachdenklich machende Songs, die Dirk Schilling nahezu im Alleingang aufgenommen hat. Natürlich wirkt diese Songwriter-Musik stellenweise etwas unfertig und demohaft und man könnte Filmpalast vorwerfen, sich damit in den Schmollwinkel der bewußten Unmodernität zurückzuziehen. Allerdings muß man diese CD wohl auch als Gegenpart zu Dirk Schillings elektronischer Produktions-Musik ansehen, welche hier aus reiner Unkenntnis nicht mitbetrachtet werden konnte. Die MySpace -Künstlerbiographie verweist jedoch mit Schlagworten wie Synthesizer, Sampler, Electronic Underground, Perfecto Records und Trapez Label in diese Richtung. Dirk Schilling hat unter dem Namen Filmpalast anscheinend jetzt ganz bewußt eine rein akustische Platte aufgenommen, er hat die großen, traurigen, vorwiegend in Moll gehaltenen Balladen nicht mit kunstgewerblichen Tricks und elektronischen Spielereien aufgemotzt, nicht mit blöden, ablenkenden Ideen bearbeitet, er hat ihnen einfach das Beste und Persönlichste gegeben, was er hat, Gesang und Gitarre.

[Marc Hendricks - PoprockUnion - 07/2008]

Bandmitglieder:  Filmpalast a.k.a Dirk Schilling (vocals, guitar)

Musikstil:  Singer-/Songwriter, Indiepop

Vergleichbare Bands:  Unbelievable Truth, Badly Drawn Boy, Nick Drake, Bernhard Eder, Grant Lee Buffalo


Ausgewählte Diskographie:

Birth Of The Perfectly Known Stranger (LP, 2008)

Song-Empfehlungen:

1. Where The Stars Are Sleeping
2. Little Sensation
3. Moonriver & Me
4. Save The World







  • Giovanni Ferrario

    Vermutlich werden eingefleischte Indie-Fans den Italiener Giovanni Ferrario bereits kennen, wer trotzdem keinen blassen Schimmer hat, so wie ich, der bekommt im April eine neue Gelegenheit die Versorgungslücke zu schließen. Dann veröffentlicht der Hugo Race & True Spirit -Gitarrist, Produzent, Micevice -Kopf und Studiomusiker von PJ Harvey/John Parish nämlich sein erstes Solo-Album auf Solaris Empire/Pocket Heaven .

     
  • Captain

    Abwechslung tut Not und wenn es der Hype-Fahrplan zuläßt, dann ist die Zeit sicherlich reif für eine Band wie beispielsweise Captain. Diese 5-köpfige Newcomer-Band aus London hat sich dem spät-achtziger Gitarrenpop verschrieben. Jetzt liegt ein Album vor, sauber produziert von Trevor Horn (ABC, Propaganda, FGTH, Pet Shop Boys, Seal, TATU, Simple Minds) und mit dem nötigen Schmalz ausgerüstet, eröffnen Captain dem geneigten Indie-Publikum damit einen Klang- und Melodienreichtum, den der WDR-2-Hörer manchmal so gerne verfluchen möchte.

     
  • I Am Kloot

    I Am Kloot kommen aus England und sind eher was für ruhige und dunkle Stunden. Dies beweisen sie auch auf ihrem dritten Album "Gods and Monsters", bei dem die Instrumentierung zwar etwas üppiger und abwechslungsreicher ausgefallen ist als bei den Vorgängern, dennoch findet man weiterhin keine potentiellen Sommerhits oder gar einen Indie-Club-Knaller. Konsequent! Zeitloser melancholischer Gitarrenpop, den man aber tunlichst im Herbst/Winter veröffentlichen sollte.