Komisch, in der Vergangenheit haben wir ja gerne mal die Band Razorlight als Vergleich herangezogen, scheinbar ist aber niemandem die fehlende Bandinfo aufgefallen. Na ja, möglicherweise fehlen hier einfach zu viele wichtige Künstler, so daß selbst die Redaktion den Überblick verloren hat.

Egal, zurück zur britisch(-schwedischen) Band Razorlight, die uns mit ihrem neuen Album (Razorlight, 2006) einen gehörigen Strich durch die zurückliegenden Vergleiche macht. Während das Debütalbum "Up All Night" vor ungefähr zwei Jahren noch im musikalischen Umfeld von Libertines und Strokes überzeugen konnte, gibt es jetzt einen gehörigen Richtungswechsel.
Sänger und selbsternanntes Genie Johnny Borrell will weg vom Kleinstadt-Punk und hin zum breitwandigen, amerikanischen Roadmovie-Soundtrack. Dieser Ritt durch die Prärie ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, dennoch ist das neue Album in seiner Gesamtheit sogar besser als der gute Vorgänger. Nach mehreren Durchläufen kann ich jedenfalls keine Schwächen mehr an dieser CD entdecken und würde am liebsten jeden einzelnen Song weiterempfehlen bzw. als mögliche Single-Auskopplung vorschlagen. Wenn man also keine Angst vor ein wenig Bruce Springsteen (besonders "America", oder "I can't stop this feeling I've got", "Who needs love", "Los Angeles Waltz") hat, Paul Weller verehrt ("Hold On", "Kirby's House") und sich, allgemeiner gesprochen, auch mit Songs die auf Anhieb vertraut erscheinen anfreunden kann, der sollte sich dieses Meisterwerk von Razorlight nicht entgehen lassen.


[PoprockUnion - 07/2006]

Bandmitglieder: Johnny Borrell (vocals, guitar), Björn Ågren (guitar), Carl Dalemo (bass), Andy Burrows (drums)
    
Musikstil: Indie-Rock, Rock

Vergleichbare Bands: The Ordinary Boys, The Libertines, The Strokes, The Jam, Talking Heads, Paul Weller, Ocean Colour Scene, Bruce Springsteen, John Cougar Mellencamp, My Morning Jacket, Big Country
     
Ausgewählte Diskographie:

Up All Night (2004)
Razorlight (2006)
Slipway Fires (LP, 2009)
    
Song-Empfehlungen:

1. Stumble & Fall
2. Rip It Up
3. Golden Touch
4. In The Morning
5. Who Needs Love
6. America
7. I Can't Stop This Feeling I've Got

  • Bernhard Eder

    Singer-/Songwriter-Album, die zweite Rezension. Dieses Mal heißt der Künstler Bernhard Eder - den es aus Österreich momentan in die Musikmetropole Berlin verschlagen hat. Dort wurde auch der größte Teil von "The Livingroom Sessions" eingespielt. Bekannt wurde Bernhard Eder mit seiner Band [wa:rum], einer festen Größe in der österreichischen Indieszene.

     
  • Eels

    Zu Beginn ihrer Karriere machte Ober-Aal "E" mit seinen Eels einen feinen, ruhigen Gitarren-Pop. Danach wurde es poppig-bedrückend, später etwas niedlich-sarkastisch und dann krautrockig. Insgesamt ist Mastermind "E" also ein recht vielseitiger Kautz, der es immer versteht seine momentane Gefühlslage in den Songs widerzuspiegeln. Deshalb muß man die Eels eher als Gesamtkunstwerk betrachten und mögen, ansonsten wird einem diese musikalische Selbsthypnose insgesamt verschroben und richtungslos vorkommen.

     
  • Haven

    Zuerst einmal haben Haven mit Joe Moss den ehemaligen Smiths-Manager an ihrer Seite und mit Johnny Marr obendrein auch noch den Ex-Smiths-Gitarristen als Produzenten. Zweitens haben sie ein Debut-Album mit bestimmt fünf potentiellen Hitsingles, die melodiös-melancholisch irgendwo zwischen bodenständigem Rock und Britpop anzusiedeln sind.