Manchmal sind mir britische Bands auf Anhieb sympathisch. OK, ertappt, Stammleser wissen natürlich, daß mir britische Bands immer irgendwie sympathisch sind, aber es gibt auch für mich noch Steigerungsmöglichkeiten. Zum Beispiel The Maccabees, da wußte ich sofort nach dem erstmaligen Hören von "Latchmere", daß das Album unbedingt gekauft werden muß. Und auch wenn die CD musikalisch eine kleine Enttäuschung geworden wäre, so wäre gleichermaßen klar, daß ich der Stimme und den Geschichten von Sänger Orlando Weeks trotzdem stundenlang zuhören könnte. Eine Stimme die den Zuhörer gefangen nimmt und in den Song hineinzieht, ein stimmliches Bermudadreieck zwischen Paul Weller (The Jam), Paul Smith (Maximo Park) und Feargal Sharkey (The Undertones).

The Maccabees sind eine junge Indie-Band die ursprünglich aus dem Londoner Süden stammt. Mittlerweile hat es die Band aber nach Brighton verschlagen und wer die fünf Briten auf dem Haldern Pop Festival gesehen hat, der weiß, daß die LP "Colour It In" keinesweg eine musikalische Enttäuschung darstellt. Das Album besitzt haufenweise geradlinige Songs mit hohem Tempo und unverkennbaren Punkrock-Wurzeln, die mit den nötigen Rhythmuswechseln, zackigen Basslinien und verspieltem Gitarrengeschrammel gespickt sind. Post-Postpunk bzw. Maximo Park mag als Verweis für Indie-Fans genügen. Die Songs der Maccabees erzählen Alltagsgeschichten, immer mit hintergründigem Witz und der unverwechselbaren Stimme von Orlando Weeks. Damit diese hektisch-winselnden Vocals und die musikalischen Feinheiten nicht in einem rotzigen Soundbrei untergehen, haben sich die Maccabees für ihr Debütalbum den berühmten Produzenten Stephen Street (The Smiths, Blur, Kaiser Chiefs) ins Studio geholt.
Selbstverständlich hat der New Musical Express die Band auch schon früh als "Best New Band in Britain" bezeichnet. Ein zweifelhaftes Vergnügen, denn meistens hat man damit den Höhepunkt des NME-Ruhms bereits überschritten. Aber egal, die Verschrobenheit der Maccabees muß man einfach mögen und Textzeilen wie "the boys chew lego so now we can't build castles or robots because the pieces won't fit together" sprechen für sich selbst. The Maccabees laden ein - zu "Colour It In" und 35 Minuten im hitgeladenen Wellenbad der großen und kleinen Gefühle, immer messerscharf und mit Augenzwinkern dargeboten.

[PoprockUnion - 08/2007]

Bandmitglieder: Orlando Weeks (vocals), Hugo White (guitar), Felix White (guitar), Rupert Jarvis (bass), Robert Dylan Thomas (drums)
    
Musikstil: Indie Rock, Neo-Postpunk
    
Vergleichbare Bands: Good Shoes, Little Man Tate, Maxïmo Park, Larrikin Love, The Rakes, The Futureheads, Arctic Monkeys, The View, Hot Hot Heat

Ausgewählte Diskographie:

Colour It In (LP, 2007)
Wall Of Arms (LP, 2009)
Given To The Wild (LP, 2012)
    
Song-Empfehlungen:

1. Latchmere
2. Happy Faces
3. Precious Time
4. X-Ray
5. First Love
6. Love You Better
7. Can You Give It

  • Kraftwerk

    Kraftwerk schufen im Wesentlichen die klangliche Blaupause, aus der die britische New Romantic-Bewegung der 80er-Jahre und der spätere Techno-Pop seine Inspiration und Innovation herauszog. Und Kraftwerk lieferten obendrein mit der harten Drumcomputer-Rhythmik alle notwendigen Grundstrukturen für einen Großteil des Hip-Hop.

     
  • Bernhard Eder

    Singer-/Songwriter-Album, die zweite Rezension. Dieses Mal heißt der Künstler Bernhard Eder - den es aus Österreich momentan in die Musikmetropole Berlin verschlagen hat. Dort wurde auch der größte Teil von "The Livingroom Sessions" eingespielt. Bekannt wurde Bernhard Eder mit seiner Band [wa:rum], einer festen Größe in der österreichischen Indieszene.

     
  • Acorn Falling

    Acorn Falling ist eigentlich ein Solo-Projekt des Kopenhagener Musikers Lars Kivig. Durch Mithilfe von zahlreichen Gastmusikern hat Acorn Falling ein recht umfangreiches Line-Up für das zweite Album um sich geschart. Darunter so bekannte Namen wie Thomas Wydler von den Bad Seeds, Peter Principle von Tuxedomoon, John Contreras von Current 93 oder Zef Noise von Bauhaus bzw. Peter Murphy. Dabei herausgekommen ist "2nd Plateau Of Normalcy", ein Album mit düster-melancholischen Soundgewölben.