Kitty Solaris

Mit "My Home Is My Disco" legt Kitty Solaris aka Kirsten Hahn bereits ihr zweites Album auf die Küchentische der Nation. Locker aus dem Handgelenk gelingt ihr ein schräger Wurf an geneigter Ebene mit Punktlandung im Indie-Folk-Pop. Als Inga und Annette Humpe in stimmlicher Personalunion lustwandelt Kitty Solaris gekonnt durch verträumte und melancholische Indie-Klangskulpturen. Seltener werden auch kraut-rockige Saiten angeschlagen, was der allgemeinen Indiepop-Ästhetik aber keinen Abbruch tut, schließlich will Kitty ja auch ihre Heimdisco anpreisen.

Der Song "Kisses Lift Me Up" wäre z.B. für die Indiedisco geeignet und "Spring Will Surely Come" könnte man sogar im Pop-Radio unterbringen. Wir dürfen sagen, Schönheit perlt auf dem aktuellen Album meistens eher schüchtern-verhalten vor sich hin. Es entsteht trotzdem eine distanzlose Klarheit, die einfach von Freude an und Freundschaft zur Musik erzählt und keine überproduzierten Pop-Arrangements bemühen muß, um sich darzustellen. In den rockigen Songs (z.B. Turn The Light On ) wo E-Gitarre und Schlagzeug dominieren, kann man Kitty Solaris durchaus mit PJ Harvey vergleichen und wenn die Akustikgitarre überwiegt, fühlt sich der Hörer vielleicht ein wenig an Heather Nova oder Gemma Hayes erinnert. Insgesamt wirkt die Musik auf " My Home Is My Disco " aber durch die beruhigende Gesangsstimme von Kirsten Hahn und den hohen Singer/Songwriter- und Folkanteil ein wenig minimalistischer. Dennoch wird man ständig hin und her gerissen zwischen Melancholie und Euphorie, die wunderbar durch die oftmals sehr sparsamen und reduzierten Lyrics transportiert werden, in denen manche Zeilen immer und immer wiederholt werden. In Zusammenarbeit mit Steffen Schlosser , Roderick Miller , Holger Müller und Gordon Raphael sind 12 sanfte bis rockige Indie-Perlen entstanden, die noch ein wenig den LoFi-Küchen-Charme versprühen. Dort, in der Berliner Küche von Kirsten Hahn , sind diese Songs nämlich entstanden und werden wie gehabt in Eigenregie über das Indie-Label Solaris Empire bzw. über Broken Silence vertrieben. Eine gute Platte, wobei das pixelig-reduzierte Cover-Artwork mit Discokugel und Schwimmwestenfrau-Gebrauchsgrafik für uns natürlich keine passende komplementäre Ausdruckform für diese Art von Musik darstellt - so in völliger Abwesenheit von Drumcomputern und knarzigen Synthie-Sequenzen. [Marc Hendricks - PoprockUnion - 08/2009]

 

Bandmitglieder: Kitty Solaris (vocals, guitar), Steffen Schlosser (drums), Roderick Miller (piano)

Vergleichbare Bands: Heather Nova, Luise Pop , PJ Harvey, Stina Nordenstam, Cinerama, Gemma Hayes


Ausgewählte Diskographie:

Future Air Hostess (CD, 2007)
My Home Is My Disco (CD, 2009)


Song-Empfehlungen:

1. Spring Will Surely Come
2. Kisses Lift Me Up
3. Turn The Light On
4. Cold Season

  • Voxtrot

    Während hier in Europa am Ende des Jahres 2005 noch das spätsiebziger Postpunk-Recycling den Indie-Musik-Markt bestimmt, hat man andernorts schon alternative und nachfolgende Trends im Auge. Ein tolles Beispiel hierfür sind Voxtrot aus Austin in Texas. Mit ihrer EP "Raised by Wolves" hat diese unbekannte US-Band insgesamt fünf Hit-Singles vorgelegt, die auch bei Sarah Records (1987-95) gut aufgehoben wären.

     
  • The Subways

    "Young For Eternity", das Debüt der Subways ist eines dieser Alben, das man einmal hört und dann sofort mitrockt. Frischer Rock, so wie es einst Ash mit "1977" geschafft haben, die Vines mit "Highly Evolved" oder Mando Diao mit "Hurricane Bar". Musik, die andererseits vielleicht zu simpel gestrickt ist. Zu schnell verfällt. Trotzdem holten sie sich damit eine der Kronen für die Newcomerband des Jahres 2005.

     
  • Lit

    1999 waren Lit in Amerika ziemlich angesagt und dieser Erfolg brachte sie mit einiger Verzögerung auch nach Deutschland. Lustige Videos mit Pamela Anderson und Dee Synder von Twisted Sister wurden gedreht und Lit hatten mit dem Poppunk-Album "A place in the sun" eben diesen für sich gepachtet. Und gepachtet trifft es dann auch ganz gut, denn danach ging es stetig abwärts, was in uns aber eine ähnliche Verwunderung auslöst wie der überraschende Erfolg von damals.