Sicherlich kennt unsere popkulturell geprägte Leserschaft diese fragwürdigen Nachmittags-Talkshows, in denen zumindest einmal im Jahr Hundebesitzer eingeladen werden, die nach jahrelanger friedlicher Koexistenz von Mensch und Haustier das Aussehen des Schoßhündchens angenommen haben. Ebenso kennen wir alle, hoffentlich nur vom Straßenbild, Ehepaare die im "Partnerlook" auftreten und Filmtitel die wie Bandnamen lauten, oder auch Bands die wie gleichnamige Kinofilme von Jodie Foster heißen. And the list goes on, sagt der Engländer.

Zu selten stellen wir uns aber die Frage, ob dies alles aneinandergereihte Zufälligkeiten sind, oder ob dieser Wahnsinn vielleicht Methode hat. Nehmen wir als Beispiel Little Man Tate , eine britische Indierock-Hoffnung für 2007 und Myspace -Favoriten von 2006. Die Band nutzte die vielseitigen Möglichkeiten des Internet um sich schon früh eine treue Gefolgschaft aufzubauen. Die Band kommt aus Sheffield und wer jetzt denkt, daß sich Little Man Tate großartig von den Arctic Monkeys (ebenfalls aus Sheffield ) unterscheiden, der irrt. Trotzdem gut, sagt jetzt der empörte LMT -Fan, trotzdem gut, sagen auch wir, und überhaupt, auch die Arctic Monkeys haben die Rockmusik nicht gänzlich neu erfunden. Nein, dies waren ja unbestritten The Coral und The Libertines . Genauer betrachtet, sogar Pete Doherty selbst, der vielen noch als der Supply Chain Manager für Boulevard-Magazine bekannt sein dürfte. Genug gefaselt, richtig, aber ich muß mich in Schutz nehmen, denn eigentlich wollte ich an dieser Stelle das Debütalbum " About What You Know " von Little Man Tate besprechen. Leider hat uns die Plattenfirma nichts geschickt und das Album erscheint erst am 29.01.2007 auf V2 Records ( Rough Trade ), obwohl es ja schon für den Herbst 2006 angekündigt war. Offensichtlich hat sich die Band aber etwas mehr Zeit erbeten, damit das Album in aller Ruhe und Sorgfalt fertig gestellt werden kann. Vorab erscheint am 22. Januar 2007 die neue " Sexy in Latin " und das gesamte Album wird eben erst dann besprochen, wenn es irgendwie seinen Weg zu uns gefunden hat, bzw. wenn Little Man Tate die englischen Charts anführen und jeder im Bekanntenkreis die CD im Regal stehen hat.

[PoprockUnion 01/2007]

 

Bandmitglieder:  Jon Windle (guitar, vocals), Edward "Maz" Marriot (guitar), Ben Surtees (bass), Dan Fields (drums)

Musikstil:  Indie-Rock, Punk

Vergleichbare Bands:  The Jam, The Paddingtons , Arctic Monkeys , Babyshambles ,The Coral, The Rifles, The Zutons, Cast, The View


Ausgewählte Diskographie:

About What You Know (LP, 2007)


Song-Empfehlungen:

1. The Agent
2. What? What You Got
3. Sexy In Latin
4. Man I Hate Your Band
5. House Party At Boothy's




  • Elektrik Kezy Mezy

    In vielerlei Hinsicht liefern die Münchner von Elektrik Kezy Mezy mit ihrem Debütalbum " ElektriCity " eine wahre Zerreißprobe ab. Lautsprecher, Stimmbänder und Gitarrensaiten werden wirklich böse gequält, so daß die Bandinfo der Plattenfirma auch völlig zu Recht von der musikalischen Umsetzung diverser Schmerzen spricht. Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Ohrenschmerzen werden genannt und ähnlich wie Lächeln eine gewisse Freude ins Gehirn rückkoppelt, so werden bei Elektrik Kezy Mezy nicht nur Schmerzen verarbeitet, sondern gleichwohl auch erzeugt.

     
  • Egoexpress

    Kurz gesagt, sind Egoexpress eine Ladomat-Band (Achtung: Avantgarde!) die irgendwo zwischen Electro, House und experimenteller elektronischer Musik liegt. Insgesamt also eher eine Musik für den detailverliebten, intellektuellen Discogänger. Wer jetzt gewisse Zweifel hegt ob Egoexpress wirklich seinen musikalischen Geschmack treffen, der sollte sicherheitshalber mal lieber hier vorbeischauen...

     
  • Backyard Babies

    In Schweden ist es ganz offensichtlich, die Abba-Generation ist erwachsen geworden und schlägt mit wilden Gitarren nach den Geistern der Vergangenheit. Man muß hierbei aber deutlich unterscheiden, denn die Backyard Babies sind nicht "The Hives", auch nicht unbedingt "The (International) Noise Conspiracy", und schon gar nicht "Mando Diao". Die musikalischen Wurzeln der Backyard Babies liegen eher im Bereich von Punk, Sleaze-Metal und neuerdings auch in Bereichen des LA-Rocks.