Lucky Fish

Man kennt sie ja und mag sie, die freundlichen Abijahrgang-Schülerbands von nebenan, die stundenlang über ihre neuesten Coversongs reden können oder darüber, daß sie auch schon ein paar eigene Songs geschrieben haben und im Moment eine Indie-Plattenfirma suchen. Wir, die Alten, Desillusionierten, Allesschonmaldagewesenen sind jedoch nur noch selten bereit, diesen Milchbartträgern ein echtes Lächeln zu schenken.

Meistens reicht es deshalb nur für ein dezentes hackfressenartiges Zerrgesicht, welches sagen soll: Nett und gebildet seid ihr, nett und gebildet sind wir, also hört Euch erst einmal durch 30 Jahre Indie-Rock-Pop-Geschrammel, bitte lasst das allzu Naheliegende und Offensichtliche aus. Dann lernt fleissig Eure Instrumente oder zumindest den Umgang mit Cubase und dann überlegt Euch, ob Ihr wirklich jetzt und in Zukunft noch wie The Kooks oder Pete Doherty klingen wollt.
Im Fall von Lucky Fish treffen die oben genannten Aussagen aber nur bedingt zu, denn die Band hat mit Flowerstreet Records zumindest ein Indie-Label für ihre Musik gefunden. Auch musikalisch darf man eigentlich nicht meckern, denn ihre Darreichungsform des Britpop beherrschen Lucky Fish , besonders die Offbeat-Elemente (Ska) scheinen es ihnen angetan zu haben. Indiepop ist ja schließlich oftmals auch ein wenig Provinzflucht bzw. Englandorientierung. Der Versuch, größer und anders zu klingen als da, wo man herkommt. Nett ist es wirklich alles, was Lucky Fish auf " Empty Dishes " anbieten, aber in bezug auf Kreativität und Originalität ziehen sie eben dann doch keinen toten Hering vom Teller. " Empty Dishes " klingt einfach zu sehr nach The Kooks. Mit viel Liebe gesungen und mit Hingabe Gitarre geschrammelt, aber in Zukunft sollten Lucky Fish ihrer Musik vielleicht eine Prise mehr Madness oder Specials beimischen. Das wirkt möglicherweise reifer und erwachsener, da manche Vorbilder eben längere Schatten werfen als andere.

Echte Ambitionen und Experimentierfreude sind gefragt, damit aus Lucky Fish in zehn Jahren die Band "Lucky Fish" wird und in der Rückschau nicht von einer Band namens "Lucky Fish" gesprochen wird. Immerhin scheinen sie genug Talent zu besitzen, sich die richtigen musikalischen Ohrwurm-Elemente ihrer Vorbilder zu eigen zu machen. Beispielweise sind " Lights out " und " Passion " die Art von Songs, die man gerne noch mal hört, bevor man das Haus verlässt, nur um einen Teil der Stimmung mitzunehmen. Bei " Passion " will Sänger Zlatko dann aber plötzlich nach schnoddrigem Liam Gallagher klingen und schon haben wir den Salat - Dish Empty! - Porzellan zerschlagen! Natürlich könnte man vor dem Hintergund des Alters der Bandmitglieder auch einfach sämtliche Schubladen seiner eigenen Musiksozialisation schließen und eine verzückte Jungmädchen-Zielgruppe herbeikonstruieren. Die würden sagen, die einzelnen 6 Songs dieser EP sind einfach durchstrukturiert, dennoch abwechslungsreich, klingen frisch, fröhlich, frei, ohne dabei gleich platt zu wirken, und besitzen die Ehrlichkeit und Unverdorbenheit ihrer Macher. Musik, die einfach Spaß macht, aus vollem Herzen kommt und schon nach wenigen Takten die Zahnspangen magnetisiert. Sicherlich muß es eine Wonne sein, diese Platte nochmal neu und unverbraucht mit 17 erleben zu dürfen. Wir sind eben alt, desillusioniert und zu oft schon mal da gewesen!

[Marc Hendricks - PoprockUnion - 08/2009]

 

Bandmitglieder:Zlatko (vocals, guitar), Pascal Fischer (guitar), Franz Klein (bass, vocals), Janis Gursky (drums)

Vergleichbare Bands: The Kooks , The Kinks, Travis, Oasis , Shiny Gnomes, Razorlight , The Jam


Ausgewählte Diskographie:

Empty Dishes (EP, 2009)


Song-Empfehlungen:

1. Lights Out
2. Future Queen
3. Passion



  • Bernhard Eder

    Singer-/Songwriter-Album, die zweite Rezension. Dieses Mal heißt der Künstler Bernhard Eder - den es aus Österreich momentan in die Musikmetropole Berlin verschlagen hat. Dort wurde auch der größte Teil von "The Livingroom Sessions" eingespielt. Bekannt wurde Bernhard Eder mit seiner Band [wa:rum], einer festen Größe in der österreichischen Indieszene.

     
  • Eels

    Zu Beginn ihrer Karriere machte Ober-Aal "E" mit seinen Eels einen feinen, ruhigen Gitarren-Pop. Danach wurde es poppig-bedrückend, später etwas niedlich-sarkastisch und dann krautrockig. Insgesamt ist Mastermind "E" also ein recht vielseitiger Kautz, der es immer versteht seine momentane Gefühlslage in den Songs widerzuspiegeln. Deshalb muß man die Eels eher als Gesamtkunstwerk betrachten und mögen, ansonsten wird einem diese musikalische Selbsthypnose insgesamt verschroben und richtungslos vorkommen.

     
  • Haven

    Zuerst einmal haben Haven mit Joe Moss den ehemaligen Smiths-Manager an ihrer Seite und mit Johnny Marr obendrein auch noch den Ex-Smiths-Gitarristen als Produzenten. Zweitens haben sie ein Debut-Album mit bestimmt fünf potentiellen Hitsingles, die melodiös-melancholisch irgendwo zwischen bodenständigem Rock und Britpop anzusiedeln sind.