My Sister Grenadine

Hinter My Sister Grenadine verbirgt sich der Berliner Gitarrist Vincenz Kokot , der u.a. auch Mitglied bei der Postrock-Band Polaroid Liquide ist. Im Juli erscheint das Album "Shine In The Dark" dieses Akustik-Projekts bei Solaris Empire und wir haben es uns angehört. Der Opener und Titelsong " Shine In The Dark " beginnt wie The Notwist bzw. beweist, wie man eine akustische Gitarre/Ukulele spannend zusammensamplen und sequenzieren kann.

"The Incredible Change Of Our Alien" läßt grüßen, wobei hier niemals die Gefahr droht, daß ein etwaiger Stromausfall My Sister Grenadine gefährlich werden könnte. Es bleibt durchweg akustisch-minimalistisch. Mehr als die Hälfte der Songs verläßt sich dabei auf hypnotische oder bedrohlich kreisende Gitarrenlinien. Vincenz Kokot ist anscheinend Purist genug, um maximal einen Bass und möglichweise doch einen Sequenzer hier als Dekoration und Erfüllungsgehilfen zuzulassen. Die Atmosphäre ist geheimsvoll bis beklemmend - die Angst vor opulenten Arrangements, Refrains und Radiohits bleibt allerdings bis zum Schluß unbegründet. Freundlich klingt die Platte also nicht, kein 60er-Jahre " Louie, Louie, oh no... " was wir mit ins nächste Jahrhundert mitschleppen könnten, noch ein trauriger Nick Drake für die nächsten Jahrzehnte. Die gute Nachricht: Die Hauptstadt Avantgarde bei Solaris Empire sieht einen Markt und hat diese Songs dennoch für zukünftige Generationen in Makrolon eingegossen. Die schlechte Nachricht: Wir hier in der Provinz kaufen immernoch eher Gitarren-Loops von einer kommerziellen Sampling-CD. My Sister Grenadines Idee eines "Akustik-Projekts" deckt sich nun blöderweise mit meiner Idee von "zwanglosem Experimentieren am Akai S1000 mit 4MB-RAM" oder kurz, einem "Schnellschuss". Natürlich, es ist toll der Gitarre interessante Saitensprünge zu entlocken, die sich hypnotisch in die Gehörgänge graben, aber es funktioniert nicht unbedingt, wenn der größere Zusammenhang und die klaren Songstrukturen fehlen. Das ist der Unterschied zwischen einem guten Song und einer bloßen Aneinanderreihung von guten Einzelideen. Für Liebhaber.

[Marc Hendricks - PoprockUnion - 06/2008]

Bandmitglieder:  Vincenz Kokot (vocals, guitar)

Musikstil:  Singer-/Songwriter, Akustik-Rock

Vergleichbare Bands:  Bernhard Eder, dEUS, Element Of Crime


Ausgewählte Diskographie:

Shine In The Dark (LP, 2008)

Song-Empfehlungen:

1. April City Speed Bump Blues
2. Shine In The Dark
3. Season Song








  • Cairo

    Die Band Cairo wurde 2005 von den beiden Bassisten Thomas Thiel und Michael Wright gegründet - letzterer stammt ursprünglich aus Seattle. Verstärkt wird die Münchner Band durch den Schlagzeuger Martin Dorfner und die Sängerin Nina Kuhlig. Jetzt, im Herbst 2007, haben Cairo ihr Debütalbum "The Armies Of Compassion" veröffentlicht, ein Kraftakt mit insgesamt 18 Songs. Dementsprechend vielseitig und vielschichtig sollte es dann natürlich auch zur Sache gehen und das tut es auch. Desöfteren wird die Bassisten-, Gitarristen- und Songwriter-Rolle gewechselt und auch bei den Gesangsparts verhält es sich ähnlich. Eine exakte Einordnung fällt deshalb nicht gerade leicht.

     
  • Eels

    Zu Beginn ihrer Karriere machte Ober-Aal "E" mit seinen Eels einen feinen, ruhigen Gitarren-Pop. Danach wurde es poppig-bedrückend, später etwas niedlich-sarkastisch und dann krautrockig. Insgesamt ist Mastermind "E" also ein recht vielseitiger Kautz, der es immer versteht seine momentane Gefühlslage in den Songs widerzuspiegeln. Deshalb muß man die Eels eher als Gesamtkunstwerk betrachten und mögen, ansonsten wird einem diese musikalische Selbsthypnose insgesamt verschroben und richtungslos vorkommen.

     
  • Mathew James White

    Mathew James White ist ein ursprünglich aus Neuseeland stammender Singer/Songwriter, der seit 2006 in Berlin lebt. Er gehört damit zu jener mutigen Spezies von Musikern, die oftmals in dunklen Bars und Clubs auf Hockern sitzen und mit einer Akustikgitarre gegen das allgemeine Publikumsgemurmel anspielen. Ob ihm dies live auch gelingt wissen wir natürlich nicht, aber auf der CD " Acoustic Guitars & Ooh La La's " kommt Mathew James White mit seiner kraftvollen, charismatischen Stimme gut rüber.