Passend zum gefühlten Sommeranfang und gewissermaßen als melodiegeladenen Ostergruß, schickte uns Bastian Hager von I Hate Music Records das Albumdebüt von Pardon Ms. Arden. Das Erstlingswerk dieser jungen Münchner Band heißt "I Bet You're Pardon Ms. Arden" und erscheint im April 2007. Der ausführliche und blumig-wortgewaltige Infobrief der Plattenfirma sagt über diese Band, daß man diese drei Musiker ungestraft in die große Schublade mit bzw. zwischen Oasis und Mando Diao stecken darf.

Bevor der notorische Plattenkäufer jetzt aber auf der Streuobstwiese des Indie-Pops umherirrt und wahllos in jeden Apfel beißen muß, hier unsere allumfassende Rezension und Einordnung. Pardon Ms. Arden machen eingängige Rockmusik und bewegen sich in einem Bereich, welcher landläufig als Power Pop bezeichnet wird. Punkt. Jegliche Libertines- und Arctic Monkeys -Vergleiche wären hier eher fehl am Platze.
Trotzdem haben wir die Band-Schubladen-Angelegenheit redaktionsintern besprochen und sind abermals zu dem diffusen Schluß gekommen, daß es für uns einen wie auch immer gearteten Unterschied zwischen Indie- und Alternative-Musik gibt. Indie ist dabei britischer Prägung und Alternative vorherrschend nordamerikanisch besetzt. Bezugnehmend auf die hier zu behandelnde Band, Pardon Ms. Arden , haben wir uns auf die Kategorie Alternative-Rock, Unterkategorie PowerPop mit Pop-Punk-Einflüssen geeinigt. Wir befinden uns also im Spannungsfeld zwischen Dandy Warhols / Lemonheads einerseits und Blink182 / Buzzcocks andererseits. Ein US-Student würde jetzt das Stichwort "College-Rock" einwerfen, der deutsche Sozialpädagoge im zwanzigsten Semester zitiert "Pollunder-Pop" und wüßte von durchzechten Nächten mit Olaf Opal zu berichten. Packende Harmonien, 11 Songs mit Ohrwurmcharakter und das untrügliche Gespür für perfekte Melodien stehen bei Pardon Ms. Arden im Vordergrund. Insgesamt die volle Ladung Sonnenschein, mit reichlich Politur, handwerklich gut gemacht und sauber auf CD gepresst. Das Album " I Bet You're Pardon Ms. Arden " wurde teilweise in Zusammenarbeit mit Michi Zorn eingespielt, der andere Teil wurde im Telstar Studio unter der Regie von Christian Höck aufgenommen. Letztgenannter spielte mit The Chamberdeacons früher ebenfalls in der 1. Münchner-Liga des energetischen Indie-Rocks und so schließt sich irgendwie der Kreis.
Bevor jetzt aber der ganz große Hype um die drei Jungs einsetzt und alsbald die 18-jährigen Mädchen die Plattenläden am Veröffentlichungstermin stürmen, muss man jedoch für die alten Indie-Hasen anmerken, daß diesem selbstbewußten Erstling, bei aller Professionalität und großem Hitpotential, noch ein wenig die Überraschungsmomente fehlen.

[PoprockUnion 04/2007-09/2009]

 

Bandmitglieder: Nick Arden aka Nick Sauter (vocals, guitar), Tom Arden aka Thomas Reicherzer (bass, vocals), Alex Arden aka Alex Föllmer (drums, vocals)

Vergleichbare Bands:
The Wannadies, Weezer, The Dandy Warhols, Miles, Liquido , Candyskins, Blink182, The Chamberdeacons, Supergrass, Jimmy Eat World, The Lemonheads , Itchy Poopzkid


Ausgewählte Diskographie:

I Bet You're Pardon Ms. Arden (LP, 2007)
Isn't That Too Much OF A Difference (LP, 2008)


Song-Empfehlungen:

1. Disco Queen
2. Catherine
3. She
4. Down the street
5. This Ain't Indie

  • Shout Out Louds

    Vier Jungs und ein Mädel aus Schweden, das sind die Shout Out Louds. So laut wie ihr Name sind sie zwar nicht, aber für Indie-Club-Tanzflächen reicht es allemal. "Howl Howl Gaff Gaff" heißt das erste Album, 2005 erschienen, erfolgreich in den USA, Japan und Europa. Und wie machen sie das? Garagen-Rock à la Mando Diao und The Strokes spielt eine Rolle. Darüber haben sie aber eine ordentlichen Indie-Wolke gesprüht.

     
  • At The Drive-In

    In At The Drive-In versammelt sich zu viel kreative und rohe Energie für eine normale Punkband. Gute Vergleiche, die diesen Texanern gerecht werden, fallen deshalb schwer. Vielleicht hilft zur weiteren Einordnung die Tatsache, daß sich die Band 2002 auflöste, damit Cedric Bixler und Omar Rodriguez ihr Nebenprojekt "The Mars Volta" vorantreiben konnten. Damit endlich die Frisuren noch besser zur Musik passen.

     
  • Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF)

    Die Musik der Deutsch Amerikanischen Freundschaft setzte sich aus minimalistischen Elektronikspielereien und schrägen, monotonen Sequenzerläufen mit bombastisch-bedrohlichem Synthesizersound zusammen. Zusätzlich boten die kalt und aggressiv vorgetragenen Texte ausreichend Interpretationsspielraum für kontroverse Diskussionen.