Richard Ashcroft trifft sich wahrscheinlich jeden ersten Dienstag im Monat mit den Gallagher-Brüdern zu den anonymen ausgedienten Britpop-Heroen. Haarschnitt, Beatles-Verehrung und gesundes Selbstbewusstsein sind nicht die einzigen Gemeinsamkeiten: Mit The Verve schuf er Hymnen einer Generation. Vom Erfolg von damals profitiert er heute noch - seit deren Auflösung im April 1999 als Solokünstler. Neu ist da nichts, gute Popsongs sind aber immer noch darunter.

Auch wenn er keine Jugendlichen mehr aufrüttelt und bewegt: Genau wie Oasis ist er vor allem im Vereinten Königreich ein Pferd, auf das es sich zu setzen lohnt, ein Garant für Top-Ten-Alben und ausverkaufte Konzerthallen. Er hat genügend Fans, Nostalgiker, Gewohnheitskäufer, die gar nichts Neues, Anderes von ihm hören wollen. Und mindestens "Bitter Sweet Symphony" und "The Drugs Don`t Work" als Teil der Setlist eines jeden Konzertes erwarten. Nach "Alone With Everybody" und "Human Conditions" folgte 2006 das dritte Soloalbum "Keys To The World". Es funktioniert immer noch. Und falls Richard nicht an Selbstüberschätzung leidet, dann werden zehn, zwanzig Jahren auch alle anderen kapiert haben, dass jedes seiner Soloalben mindestens so wichtig für die Popgeschichte ist, wie "Urban Hymns". Ansonsten gibt es wohl doch irgendwan (bald) die Verve-Reunion.

[Juliane Ried]


Bandmitglieder:  Richard Ashcroft (vocals, guitar), etc.

Musikstil:  Britpop

Vergleichbare Bands:  The Verve, Oasis , Travis, Ocean Colour Scene


Ausgewählte Diskographie:

Alone With Everybody (LP, 2000) 
Human Conditions (LP, 2002)  
Keys to The World  (LP, 2006)


Song-Empfehlungen:

1. New York
2. I Get My Beat
3. Science Of Silence
4. Break the Night With Colour
5. Words Just Get In The Way







  • The Maccabees

    Manchmal sind mir britische Bands auf Anhieb sympathisch. OK, ertappt, Stammleser wissen natürlich, daß mir britische Bands immer irgendwie sympathisch sind, aber es gibt auch für mich noch Steigerungsmöglichkeiten. Zum Beispiel The Maccabees, da wußte ich sofort nach dem erstmaligen Hören von "Latchmere", daß das Album unbedingt gekauft werden muß. Und auch wenn die CD musikalisch eine kleine Enttäuschung geworden wäre, so wäre gleichermaßen klar, daß ich der Stimme und den Geschichten von Sänger Orlando Weeks trotzdem stundenlang zuhören könnte. Eine Stimme die den Zuhörer gefangen nimmt und in den Song hineinzieht, ein stimmliches Bermudadreieck zwischen Paul Weller (The Jam), Paul Smith (Maximo Park) und Feargal Sharkey (The Undertones).

     
  • Athlete

    Mit ihrem Debüt-Album "Vehicles & Animals" hat die Londoner Band Athlete direkt einen zeitlosen Britpop-Klassiker abgeliefert. Das ist aber nicht ganz so positiv wie es klingt, denn seit 1997 wissen wir ja, daß Britpop keineswegs zeitlos ist. Es bleibt also manchmal ein etwas fader Beigeschmack bei diesem altem Wein in neuen Schläuchen. Oder anders formuliert, zu wenig Flaming Lips und Beta Band hier, zuviel Space und Eskobar dort.

     
  • Astrid

    Astrid hieß die Freundin des fünften Beatle "Stuart Sutcliffe" und dies war wohl Grund genug für die schottische Band Astrid eben diesen Namen als Bandbezeichnung auszuwählen. Selbstverständlich eine dumme Idee, denn niemand denkt bei Astrid an schönen Indie-Pop, zumal im Vereinten Königreich auch noch eine Sängerin mit diesem Namen herumgeistert. Falls diese im Oktober 2004 noch aktiv sein sollte, dann hat der klügere und bessere Act nachgegeben...