In den USA konnten die Silversun Pickups schon im Jahre 2006 mit ihrem Alternative-Hit "Lazy Eye" und der zugehörigen EP "Pikul" Aufmerksamkeit und Airplay erlangen - den obligatorischen Auftritt bei David Letterman eingeschlossen. Jetzt steht auch das Debutalbum " Carnavas " bei uns in den Startlöchern bzw. der Importpreis befindet sich bereits auf einem erträglichen Niveau.


Soweit die vorbereitenden Worte, denn jetzt geht es "ans Eingemachte", denn Gespräche über die Silversun Pickups beginnen oftmals folgerndermaßen: "Was hörst Du denn da - klingt gut - Du hast schon die neue Smashing Pumpkins ?" Nichts für ungut, aber das Dumme an dieser phantasielosen Randbemerkung ist, daß hier tatsächlich ein gewisser Wahrheitsgehalt dahinter steckt. Die Silversun Pickups werden nämlich allerorts mit den jungen Smashing Pumpkins verglichen und auch mein erster Gedanke ging leider genau in diese Richtung. Also habe ich ersteinmal die Alternative-Ecke in meinem CD-Schrank nach geeigneteren Vergleichen abgesucht, danach das Dickicht der Ideen im World Wide Web nach originelleren Referenzen durchforstet. Unglücklicherweise hilft das alles nicht weiter, denn am Ende möchte man " Carnavas " trotzdem als Missing Link zwischen " Gish " und " Siamese Dream " einsortieren.
Dabei habe ich mir wirklich die Mühe gemacht auch die zahlreichen Shoegazer-Bands, die mit den Silversun Pickups in einem Atemzug genannt werden, genauer zu überprüfen. Ich habe mir meine alten My Bloody Valentine -Platten angehört - Lush , Slowdive und Ride sofort verworfen - und konnte mich im Endeffekt noch mit einem leichten Swervedriver -Vergleich anfreunden. Für den typischen Shoegazer-Wall Of Sound fehlt es bei SSPU (wie der Ami-Insider sie gerne nennt) aber einfach an Distortion und an einigen Gitarren-Layern. Der relativ klare und prägnante Gitarrensound der Silversun Pickups erinnert doch mehr an Alternative-Rock aus den 90er-Jahren. Pixies , Sonic Youth , Dinosaur Jr., Screaming Trees und The Breeders fallen mir ein, wobei die Stimme von Frontmann Brian Aubert nicht so weit von einem nöligen Billy Corgan entfernt ist. Womit wir wieder am Anfang bei den Smashing Pumpkins wären. Manchmal erinnert Brian Auberts Gesang auch an Brian Molko , da er aber oft von Bassistin Nikki Monninger gesanglich unterstützt wird, hinkt auch dieser Vergleich ein wenig. Jedenfalls klingt dieser harmonisch-androgyne Mischgesang zusammen mit der abwechslungsreichen Gitarrenarbeit bzw. den sauber verzerrten Gitarren enorm druckvoll. Den Silversun Pickups ist mit " Carnavas " ein sehr gutes Debütalbum gelungen und die immer wiederkehrenden Vergleiche dürfen getrost als Ritterschlag verbucht werden. Als schlichte Smashing Pumpkins-Kopie sollte man die vier Kalifornier tunlichst nicht bezeichnen, dafür ist das Album zu gut und eine Kitsch-Ballade wie " Disarm " haben die Silversun Pickups auch nicht in ihrem Repertoire. P.S..: Dank an Michael für diesen feinen Tipp.

[PoprockUnion - 08/2007]


Bandmitglieder:  Brian Aubert (guitar, vocals), Joe Lester (keyboards), Nikki Monninger (bass, vocals), Christopher Guanlao (drums)

Musikstil:  Alternative-Rock, Indie-Rock, Post-Grunge

Vergleichbare Bands:  The Smashing Pumpkins, Veruca Salt, Screaming Trees, Dinosaur Jr. , Foo Fighters, Pixies, Wolfmother, Film School, Swervedriver


Ausgewählte Diskographie:

Pikul (EP, 2005)    
Carnavas (LP, 2007)


Song-Empfehlungen:

1. Well Thought Out Twinkles  
2. Lazy Eye  
3. Future Foe Scenarios  
4. Kissing Families  
5. Dream At Tempo 119



  • Seaport

    Die Band Seaport wurde 2004 in Berlin gegründet, hat mit "Rock'n'Roll Shanties" (08/2006) gerade ihr Debüt-Minialbum veröffentlicht und macht, wenn man den Infos der Plattenfirma glauben darf, doch tatsächlich Britpop. Natürlich ist dies schon verwunderlich, denn eine Band die sich heute freiwillig in die Kategorie Britpop einordnen läßt, schert sich wahrscheinlich wenig um den vorherrschenden Zeitgeist, oder sie hat erkannt, daß es einfach keine gute Postpunk-Band mehr gibt, die man noch unbedingt kopieren müßte. Vielleicht haben Seaport aber auch nur den kommenden Trend im Auge und vermuten, daß ein Britpop-Revival nach 10 Jahren durchaus angebracht wäre.

     
  • Donots

    Ziemlich kleinlaut bezeichnen sich die Donots in ihrer lustigen Band-Biographie rückblickend als "peinliche Provinz-Kapelle", was natürlich vollkommener Blödsinn ist und ihnen nicht im geringsten gerecht wird. Die Donots aus Ibbenbüren sind nämlich eine großartige Provinz-Kapelle und sie spielen melodischen Alternative-Rock (a.k.a. Punk, Emo), der sicherlich auch Mehmet Scholl gefallen würde.

     
  • Spellbind

    Die Independent Rockband Spellbind veröffentlicht im März 2008 ihren zweiten Longplayer. Die neue Platte der Band trägt den Namen "7000". Was sich vor gut zwei Jahren mit dem Debütalbum "Cocoon" andeutete, wird auf dem zweiten Album nun perfektioniert.

    Die vier Nürnberger, die 2001 als ein akustisches Trio begonnen hatten, präsentieren auf ihrer neuen CD eine Vielzahl an kraftvollen Rocksongs, die mit ausgefeiltem Songwriting begeistern. Die Musik ist zeitloser Indierock: intensiv, treibend, mitreißend. Geradlinig, aber mit Psychedelia-Einsprengseln und interessanten Arrangements, die die Aufmerksamkeit hoch halten.