Nachdem The Ordinary Boys auf ihrem Debut-Album "Over the Counter Culture" noch sehr Jam-lastig daher kamen (Maybe Someday , Talk Talk Talk , Week in, Week out), schlagen sie auf "Brassbound" ein wenig mehr die White-Ska -Richtung ein. Kurz gesagt, bei einigen Songs haben offensichtlich Madness und Specials Pate gestanden, was keine schlechte Verwandtschaft ist. Diese Entwicklung vollzog sich auch nicht ganz unvermittelt, da die Ordinary Boys bereits für ihr erstes Album die Cover-Version von "Little Bitch" ( The Specials ) aufnahmen.

Insgesamt eine gute Band mit Hitpotential, wobei man sich aber doch ein wenig wunderte wie schnell die Ordinary Boys ihr zweites Album vorlegten. Keine EPs, keine gefeierten Vorab-Singles, kaum Hype, also ein eher flacher Spannungsbogen. Immerhin kommen sie aus Worthing, globaler betrachtet England, was aber nur insoweit etwas zur Sache tut, wenn man bedenkt, daß die mittlerweile hochgelobten Dead 60s immerhin mehr als ein Jahr für ihr Debut-Album gebraucht haben. Da deren Debut aber nicht soviel besser war, hätten die Ordinary Boys vielleicht eher nach dem Grundsatz "Eile mit Weile" handeln sollen, um der englischen Hype-Maschinerie etwas mehr Reaktionzeit zu geben. Andererseits kann man natürlich auch mit eigenen Mitteln in die Schlagzeilen kommen und so die Plattenverkäufe etwas anschieben. Der Rest der Geschichte sollte bekannt sein - Sänger Samuel Preston zog in das Celebrity Big-Brother-Haus, trennte sich von seiner Freundin, heiratete später die Gewinnerin dieser peinlichen Show Chantelle Houghton usw. Die britische Presse bekam also zahlreiche Aufhänger geliefert, die CD-Verkäufe stiegen und allmählich wurde die gute Musik der Ordinary Boys zur schönsten Nebensache der Welt. Jetzt, im Herbst 2006, steht endlich das neue Album " How To Get Everything You Ever Wanted In Ten Easy Steps " der Ordinary Boys in den Regalen. Offenbar versucht Preston auf dieser CD seine Eindrücke der letzten Monate zu verarbeiten und wenn man den ganzen Medienrummel bedenkt und miteinbezieht, dann gelingt dies der Band auf erstaunlich gute Weise. Ihrem Stil bleiben The Ordinary Boys nämlich weitgehend treu. Trotzdem vermittelt das Album nur selten die Spielfreude der Vorgänger, elektronische Spielereien ersetzen die Originalität, die klinisch-saubere Produktion tut ihr übriges. Insgesamt zu wenig Punk für das Punk-Publikum, aber auch zu wenig Pop für das Pop-Publikum. The Ordinary Boys haben 2008 aufgelöst, Sänger Sam Preston arbeitet zur Zeit an einem Solo-Album.

[PoprockUnion - 11/2006]


Bandmitglieder:  Sam Preston (vocals, guitar), William J. Brown (guitar), James Gregory (bass), Simon Goldring (drums)

Musikstil:  Indie-Rock, White-Ska, Mod-Revival

Vergleichbare Bands:  The Dead 60s, Razorlight, The Jam, Madness, The Specials, Maxïmo Park, Kaiser Chiefs, The Rifles, Blur


Ausgewählte Diskographie:

Over The Counter Culture (LP, 2004) 
Brassbound (LP, 2005)  
How To Get Everything You Wanted In Ten Easy Steps (LP, 2006)


Song-Empfehlungen:

1. Week In, Week Out
2. Boys Will Be Boys
3. Life Will Be The Death Of Me
4. Lonely At The Top
5. We've Got The Best Job
6. I Luv U





  • Spellbind

    Die Independent Rockband Spellbind veröffentlicht im März 2008 ihren zweiten Longplayer. Die neue Platte der Band trägt den Namen "7000". Was sich vor gut zwei Jahren mit dem Debütalbum "Cocoon" andeutete, wird auf dem zweiten Album nun perfektioniert.

    Die vier Nürnberger, die 2001 als ein akustisches Trio begonnen hatten, präsentieren auf ihrer neuen CD eine Vielzahl an kraftvollen Rocksongs, die mit ausgefeiltem Songwriting begeistern. Die Musik ist zeitloser Indierock: intensiv, treibend, mitreißend. Geradlinig, aber mit Psychedelia-Einsprengseln und interessanten Arrangements, die die Aufmerksamkeit hoch halten.

     
  • Oasis

    Wie kann man Oasis nicht für die beste Band der Welt halten, fragen die Fans. Wie kann man nur so arrogant sein, fragen die anderen. Ja, Oasis sind arrogant, geben Konzerte, bei denen man von vornherein weiß, dass sie schlecht sein werden und nur hoffen kann, dass Sänger Liam das Konzert nicht auch noch vorzeitig abbricht. Aber, verdammt, sie haben diese zwei ersten Alben - "Definitely Maybe" und "(What's The Story) Morning Glory" - vollbracht, möchte man sagen. Und damit sind sie in die Musikgeschichte eingegangen. Die meisten B-Seiten aus dieser Zeit sind um Längen besser, als vieles, was auf den letzten vier Alben gelandet ist (z. B. Talk Tonight, Aquiesce, The Masterplan, um nur drei zu nennen.)

     
  • Spotlight Kid

    Wenn uns die Plattenfirmen mit Promos zupflastern würden, dann müßten wir spätestens jetzt nachdenklich werden und demnächst wohl ein Shoegazing -Revival ausrufen. In Wahrheit bekommen wir aber häufig, d.h. fast immer, die CDs netterweise aus unserem näheren Freundeskreis zur Rezension vorgelegt. Deshalb sagen wir es lieber anders, und zwar so - in den kleinen geschmackssicheren Kreisen hört man in letzter Zeit scheinbar wieder vermehrt Shoegazer - und Dreampop -Bands.