Afraid Of Stairs-Bandfoto (with kind permission of Lavender Recordings)

Rein musikalisch betrachtet habe ich ja nichts gegen die "Alter Wein in neuen Schläuchen"-Herangehensweise, allerdings habe ich doch erhebliche Vorbehalte wenn NME und Musikpresse-Konsorten mal wieder neue griffige Schlagworte für gängige Indie-Schubladen erfinden. So geschehen mit dem sogenannten "New-Rave" und neuerdings gibt es wohl auch einige Wortneuschöpfungen im, bei mir so beliebten, Shoegazing-Sektor.

Dort kämpfen nämlich gerade "Nu-Gaze", "Newgaze" oder auch "New Shoegaze" um die Vorherrschaft und deshalb erkläre ich, selbstherrlich wie ich nun einmal bin, Afraid Of Stairs in diesem Review kurzerhand zur neuen Dream Pop-Hoffnung aus Schweden.
Der kreative Kern der Afraid Of Stairs sind das Duo Pontus Wallgren und Max Sjöholm. Unterstützt werden sie dabei von Label-Kollegen bzw. von Mitgliedern verwandter Bands (Douglas Heart, Laurel Music, We Are Soldiers We Have Guns). Die Band war bis 2006 bei Labrador unter Vertrag, mittlerweile sind sie aber bei dem jungen schwedischen Label Lavender Recordings gelandet. Warum Labrador das Interesse an der Band verloren hatte kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen, denn die 4 Songs auf der hier vorliegenden "Afraid Of Stairs"-EP sind durchweg gelungen. Irgendwo zwischen "Lesser Matters" von The Radio Dept. und The Mary Onettes wäre sicherlich auch noch Platz für Afraid Of Stairs gewesen.
Dementsprechend gibt es hier auch nichts zu beweisen oder gar neu zu erfinden, denn die gesamten 4 Stücke der EP sind eine perfekte Zeitreise in die frühen 90er. "Tell him how you feel" und "Let me" bieten Schrammel-Noise-Pop in Anlehnung an die ungestümen und rohen Soundgebirge von My Bloody Valentine (z.B. "Honeypower"), Secret Shine (z.B. "Temporal") oder frühe Ride. "When nothing" und "They aimed bad" gehen dann wirklich mehr in Richtung des bereits erwähnten Dream-Pops, d.h. verträumtere und ruhigere Gitarrenklänge mit etwas weniger Feedback. Hier haben dann Lush, Slowdive oder The Heart Throbs möglicherweise Pate gestanden.
Zusammenfassend muß man sagen, treibende Rhythmen, die Gitarren scheppern und es wird rückgekoppelt, der Gesang verschwindet im Hallgerät und doch sind die Songs melodieverliebt und eingängig. Es würde mich also wundern, wenn Indie-Jünger und Indie-Nostalgiker nicht gleichermaßen in kürzester Zeit von Afraid Of Stairs in ihren Bann gezogen werden sollten. Letztendlich ist mir dann auch völlig egal, ob ich es Shoegazing nenne und andere lieber Nu-Gaze sagen. Hauptsache es ist nicht Mainstreamo...


[Marc Hendricks - PoprockUnion - 07/2007]

Bandmitglieder: Pontus Wallgren (vocals, guitars, keyboards), Max Sjöholm (drums, percussion) & Freunde: Daniel Brandt (bass), Malin Dahlberg, Lill-Pontus, Fredrik & Marius (vocals), Ramo Spatalovic (guitar)
     

Musikstil/-Genre: Shoegazer, Nu-Gaze

Vergleichbare Bands:  Secret Shine, MBV, The Jesus And Mary Chain, Chapterhouse, Ride, The Telescopes, Spotlight Kid , Slowdive, Kitchens Of Distinction
  
Ausgewählte Diskographie:

Not Today (7", 2003)
Afraid Of Stairs (CD-EP, 2007)
    
Song-Empfehlungen:

1. Tell Him How You Feel
2. They Aimed Bad
3. Let Me
4. Not Today 

  • Bernhard Eder

    Singer-/Songwriter-Album, die zweite Rezension. Dieses Mal heißt der Künstler Bernhard Eder - den es aus Österreich momentan in die Musikmetropole Berlin verschlagen hat. Dort wurde auch der größte Teil von "The Livingroom Sessions" eingespielt. Bekannt wurde Bernhard Eder mit seiner Band [wa:rum], einer festen Größe in der österreichischen Indieszene.

     
  • Eels

    Zu Beginn ihrer Karriere machte Ober-Aal "E" mit seinen Eels einen feinen, ruhigen Gitarren-Pop. Danach wurde es poppig-bedrückend, später etwas niedlich-sarkastisch und dann krautrockig. Insgesamt ist Mastermind "E" also ein recht vielseitiger Kautz, der es immer versteht seine momentane Gefühlslage in den Songs widerzuspiegeln. Deshalb muß man die Eels eher als Gesamtkunstwerk betrachten und mögen, ansonsten wird einem diese musikalische Selbsthypnose insgesamt verschroben und richtungslos vorkommen.

     
  • Haven

    Zuerst einmal haben Haven mit Joe Moss den ehemaligen Smiths-Manager an ihrer Seite und mit Johnny Marr obendrein auch noch den Ex-Smiths-Gitarristen als Produzenten. Zweitens haben sie ein Debut-Album mit bestimmt fünf potentiellen Hitsingles, die melodiös-melancholisch irgendwo zwischen bodenständigem Rock und Britpop anzusiedeln sind.