Alex Amsterdam

Hier ein kleines Update bzw. ein erweiteter Review zum Singer/Songwriter Alex Amsterdam, der jetzt sein offizielles Debütalbum "Stillness Of A Moment" auf Moon Records vorgestellt hat. Alex Amsterdam kommt ursprünglich aus Bad Oeynhausen, war früher Gitarrist und Frontmann bei der Alternative-Rockband "Queen Mom", und ist seit 2006 als Solokünstler unterwegs.

Nachdem sich der Wahl-Düsseldorfer lästiger Bandverpflichtungen und seiner Tätigkeit als Textilkaufmann entledigt hatte, konnte er seiner wahren Bestimmung nachkommen, und sich als Singer/Songwriter ausleben. Komplett ohne Schlagzeug, nur mit einer Akustikgitarre im Handgepäck, bereist Alex seitdem die deutschen Clubs - neuerdings auch mit Tastenunterstützung durch Simon Horn. Folglich bekommen Zuhörer auf dem hier zu rezensierenden neuen Album "Stillness Of A Moment" sonnige, aber relativ sparsam instrumentierte Midtempo-Nummern präsentiert.
Sieben Songs auf dieser Platte waren in ähnlicher bzw. identischer Form schon auf "Lonely Streets And Empty Lanes" zu hören. Musik, die so klingt, öffnet Räume, entweder für einen entspannten Abend am offenen Kamin, als auch für ein gemütliches Bratwurstgrillen im heimischen Garten. Dies gilt sowohl für die "alten", wie auch für die neueren Songs, wobei letzteren üppigere Beigaben und ausgefeiltere Arrangements spendiert wurden.
Insgesamt schickt Alex Amsterdam auf seinem offiziellen Debütalbum "Stillness Of A Moment" elf Eigenkompositionen auf den melancholischen Akustik-Gitarren-Parcours. Glücklicherweise verzichtet er dabei auf honigtriefende Lagerfeuerromantik und bewegt sich weitgehend im Bereich des schwungvollen akustischen Popsongs. Wem die reine akustische Gitarrenmusik zu spartanisch erscheint und der Begriff Folksong zu nah am Prostestsong liegt, der hat mit Alex Amsterdam einen eleganten Ersatz. Die Songs sind allesamt eingängig, getragen von Stimme und ausgefeilten akustischen Gitarrenarrangements, teilweise dezent untermalt bzw. unterstützt von ein wenig Percussion, Keyboard-Begleitung, Bass, E-Gitarre und Backing-Vocals. Durchweg sommertauglich, und auch an Regentagen werden beim geneigten Rezipienten nur wenig Selbstmordgedanken aufkommen. Alex Amsterdam liefert mit diesem Debüt eine gute und abwechslungsreiche Platte ab.
Es regnet muntere Singer/Songwriter-Perlen und mit "For A Lifetime And Beyond" seine eigene Live-Antwort auf die gerne gestellte Frage "Is simplicity best, or simply the easiest?" Nein, kein Depeche Mode-Cover, sondern eine verborgene Auseinandersetzung mit den musiktechnischen Errungenschaften des letzten Jahrhunderts und beyond. An dieser Stelle möchte ich dann auch auf unseren Sten Fisher-Review verweisen.
Natürlich sind und bleiben es akustische Popsongs, deren Wiedererkennungswert bzw. Eigenständigkeit oftmals unter der begrenzten Instrumentierung leidet. Diese Klippen werden aber von Alex und den elf Songs auf der CD gekonnt umschifft. Soll heißen, man kann die Songs durchweg auseinanderhalten, was beileibe nicht ganz so selbstverständlich ist wie es klingt. Clevere Arrangements garantieren Abwechslung. Daneben, trägt auch die stimmliche Variationsbreite zur Aufmerksamkeitssteigerung bei, die Herr Amsterdam im Verlauf der Platte so einsetzt, auch wenn er gelegentlich nicht hundertprozentig den Ton trifft. Genau dies sind aber die Kanten und Ungereimtheiten, welche eine rein akustische Darbietung enorm bereichern. Radiotauglichkeit kann obendrein bescheinigt werden und einige Songs mausern sich nach mehrmaligem Hören sogar zum Ohrwurm. Gut gemacht.


[Marc Hendricks - PoprockUnion - 06/2008]

Mitglieder: Alex Amsterdam a.k.a Alexander Rosin (vocals, guitar, bass), Simon Horn (keys, backing vocals)
    
Musikstil/-Genre: Singer-/Songwriter, Indiepop
    
Vergleichbare Bands: Sten Fisher, Bernhard Eder, Jack Johnson, Michael Penn, Toad The Wet Sprocket, Grant Lee Buffalo, Colin James Hay, Oasis, Evan Dando 

Ausgewählte Diskographie:

Lonely Streets And Empty Lanes (LP, Eigenvertrieb, 2006)
Stillness Of A Moment (LP, 2008)
The Die Is cast (EP, 2009)
    
Song-Empfehlungen:

1. Some Kind Of Bliss
2. Lost Without A Trace
3. Feel Nothing
4. Burning My Cash
5. Down With The Sound

  • Ladytron

    Ein gemischtes Quartet aus Liverpool macht elektronische Musik mit allem was der analoge Synthesizer-Gebrauchtmarkt so zu bieten hat. Die Meinungsmacher vom New Musical Express haben dann auch schnell ein passendes Genre mit der Bezeichnung "Eighties-Retro-Future-Pop" aus der Taufe gehoben. Wow, was für ein Konstrukt und was für eine Band, aber Elektropop hätte es auch getan, denn das nötige Indie-Flair hätten auch Ladytrons Style und Design gut vermitteln können.

     
  • Ian Brown

    Wer hätte das gedacht, Ian Brown, Sänger der legendären Stone Roses hat mittlerweile schon vier respektable Soloalben herausgebracht. Dabei war er gar nicht für großartige musikalische Virtuosität bekannt, sondern eher für seine große Klappe. Die große Klappe hat Ian Brown auch nicht verloren, aber dafür Sampling-Loops und elektronische Sounds gefunden, wodurch sich seine Musik fernab der Stone Roses bewegt und so ungerechtfertigten Vergleichen geschickt aus dem Weg geht.

     
  • JJ72

    Zwischen schwülstig und düster-dramatisch pendeln JJ72 , ohne dabei mit ausreichendem Rock-Bombast zu geizen. Guter Indie-Rock, allerdings werden sich die Geister sowieso an der Stimme Mark Greaneys scheiden, denn die ist mit ihrem ständigen Falsetto zwar sehr markant, aber nicht unbedingt für den Dauerkonsum geschaffen. Dennoch wurden JJ72 auf der Insel schon mit der Veröffentlichung ihres Debut-Albums (2000) zu Superstars, aber das ist dort ja auch so üblich.