Die schottische Band "Aztec Camera" war ein Bandprojekt von Roddy Frame mit wechselnden Gastmusikern, u.a. Malcolm Ross von Josef K. bzw. Orange Juice. Gegründet wurde Aztec Camera 1980 und das Debüt-Album "High Land, Hard Rain" von 1983 darf man, hoffentlich ungestraft, als den kreativen Höhepunkt bezeichnen. Zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere galten Aztec Camera im Kreise britischer Journalisten und Indiefans als die kommende Band, zumal ihre Country-Klamotten, ihre Singles und die bereits erwähnte Debüt-LP auf Rough Trade so schön als Gegenentwurf zum vorherrschenden Synthi-Pop herhalten konnte.

Soweit die Musiktheorie, denn für das nachfolgende Album "Knife" wechselten Aztec Camera zum Major WEA, setzten vermehrt auf den Einsatz von Synthesizern und holten sich Mark Knopfler von den Dire Straits als Produzenten. So kam es, daß ein echter kommerzieller Erfolg erst mit der Single "Somewhere in my heart" aus dem Jahre 1988 erreicht wurde. Vielleicht waren Aztec Camera einfach ihrer Zeit voraus oder Roddy Frame wollte ganz bewusst weiterer Popularität, im Sinne von Popmusik, aus dem Wege gehen, was man ihm durchaus zutrauen darf. Insgesamt fehlte es bei Aztec Camera eben an großen Hits, da es vielen Songs etwas an Spritzigkeit und/oder an packenden Momenten bzw. Ecken und Kanten mangelte - was dann doch wieder irgendwie Pop war. Das ist natürlich nur unsere bescheidene PoprockUnion-Meinung, denn andere mögen vielleicht sagen, daß Aztec Camera immer genau diese anschmeichelnde Zugänglichkeit und den angenehmen Aspekt in ihrer Musik betonen wollten. Egal, was der Zeitgeist gerade für Chart-Vorlieben propagierte. Das Liebenswerte an Roddy Frame und an seiner Vision von Aztec Camera war deshalb für viele Fans auch, daß man sie nur schwer im Rahmen eines gegenwärtigen Zeitgeistes fassen und darauf festnageln konnte. In diesem Sinne waren sie dann doch auch sehr "Indie", da sie sich weitgehend den berechenbaren Trends der Schallplattenindustrie verweigerten. Immer am vorherrschenden Trend vorbei zauberten Aztec Camera Klangstrukturen aus dem Hut die sich irgendwo zwischen R&B, Folk und Pop bewegten, so daß auch mal ein "Somewhere in my heart" bis auf Platz 3 der britischen Pop-Charts durchrutschte. Daneben ist dann noch die Single "Good morning Britain" erwähnenswert, die 1990 zusammen mit dem Ex-Clasher Mick Jones eingespielt wurde. Das war es dann aber auch, vergessen sollte man Aztec Camera und Roddy Frame trotzdem nicht. Immerhin zählt er in Insiderkreisen zu den großen Randfiguren des melancholisch-beschwingten Indie-Gitarrenpops, auch wenn er schnell vom legendären schottischen Postcard-Label über Rough Trade zu einer großen Plattenfirma wechselte.


[PoprockUnion 08/2001]

Bandmitglieder: Roddy Frame (vocals, guitars), Campbell Owens (bass), Dave Mulholland (drums)
    
Musikstil/-Genre: Indie-Pop, Gitarrenpop
    
Vergleichbare Bands: Johnny Hates Jazz, Prefab Sprout, Danny Wilson, Deacon Blue, The Go-Betweens

Ausgewählte Diskographie:

High Land, Hard Rain (LP, 1983)
Knife (LP, 1984)
Love (LP, 1987)
Stray (LP, 1990)
Dreamland (LP, 1993)   

Song-Empfehlungen:

1. Pillar To Post
2. Oblivious
3. Good Morning Britain
4. Jump
5. We Could Send Letters
6. Just Like Gold
7. Walk Out To Winter

  • Audioslave

    Statistisch gesehen handelt es sich hierbei um drei Teile von "Rage Against The Machine", gepaart mit einem Teil von Soundgarden. Wer nun erwartet, daß die Musik ebenfalls im Verhältnis 3:1 zugunsten von Rage Against The Machine ausfällt, der dürfte vielleicht enttäuscht sein. Eindeutig 3:1 für Soundgarden bzw. Chris Cornell - und das Fleißkärtchen bekommt Rick Rubin, der durch seine Produktion mit Sicherheit zum Erfolg des Debüt-Albums beigetragen hat.

     
  • Dynah

    Austin, Texas, nicht nur die Heimat unserer Indie-Lieblinge von Voxtrot, sondern auch die Heimatstadt der Band Dynah. Ihre Maxi-EP bzw. ihr aktuelles Mini-Album mit immerhin 8 Songs, ist im Sommer 2006 in den USA veröffentlich worden. In Deutschland, respektive Europa, schaut man natürlich wieder mehr oder weniger in die Röhre. Hier muß man den globalen Markt nutzen, der sich US-Import oder iTunes nennt, denn diese 8-Tracks sollten jedem Indie-Fan gut und teuer sein. Und das sind sie dann auch.

     
  • Deacon Blue

    Das Niemandsland zwischen Rock und Pop beackerte gegen Ende der 80er Jahre auch die schottische Formation Deacon Blue. Künstlerisch wertvoll, durchweg bodenständig und mit einigen beachtlichen Charterfolgen im Gepäck, machten sie sich Anfang der 90er Jahre auf den Weg irgendwohin. Unter anderem 1993 mit den Produzenten Steve Osborne und Paul Oakenfold in Richtung Gitarren-Rave, was nicht unbedingt zur Band passte und auch nicht zur Glaubwürdigkeit beitrug.