Wer braucht jetzt noch die Libertines? Denn Ex-Libertine und Berufsbekloppter Pete Doherty hat mit seinen Babyshambles dies- und jenseits des legalen Drogenkonsums ein feines Album aufgenommen. Fein sind natürlich nur die einzelnen Songs, denn Sound-mäßig ist alles eher roh und ungehobelt. Dohertys schräger Gesang klingt gewohnt besoffen, aber so muß das sein, sagt man sich.

Gleichzeitig fragt man sich aber, ob bei diesen Aufnahmen überhaupt irgendwas abgemischt oder produziert wurde und stößt dabei auf den Namen Mick Jones (The Clash), der aber vielleicht doch nur zum Mittrinken gebraucht wurde. Jedenfalls wirkt das gesamte Album so ehrlich und authentisch, daß man glatt meinen könnte, hier hätte eine große Plattenfirma den Klischee-Rockstar-Masterplan 1:1 umgesetzt. Denn Fakt ist, Pete Doherty würde unweigerlich an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn sich die Babyshambles wie Spandau Ballet anhören würden. Aber Egal, nach solch einem Album wird fortan die Musik der Babyshambles im Vordergrund stehen, soviel ist sicher, denn immerhin sind es Gitarre, Bass und Schlagzeug die bei "Down in Albion" das perfekte Rhythmus und Melodie-Geländer bilden, an welchem Pete Doherty mit dilletantischer Genialität entlangstolpert.


[PoprockUnion 04/2006]

Bandmitglieder: Pete Doherty (vocals), Patrick Walden (guitar), Drew McConnell (bass), Adam Ficek (drums)
    
Musikstil: Indie-Rock, Post-Punk-Revival
    
Vergleichbare Bands: The Libertines, Arctic Monkeys, The Paddingtons, The ordinary Boys, The Clash, The Dead 60s

Ausgewählte Diskographie:

Down In Albion (LP, 2005)
The Blinding (EP, 2006)
Shotter's Nation (LP, 2007)
    
Song-Empfehlungen:

1. Fuck Forever
2. The 32 Of December
3. Sticks & Stones
4. Albion
5. The Blinding
6. Love You But You're Green
7. Delivery
8. You Talk

  • Another Sunny Day

    Sie waren eine der ersten Bands auf dem legendären britischen Indie-Pop-Label, Sarah Records (1988-95) und neben "The Field Mice" auch eine der wichtigsten (Album: London Weekend, 1992). Bemerkenswert war dabei, daß es sich bei Another Sunny Day nur um eine Person handelte, nämlich Harvey Williams mit tatkräftiger Unterstützung eines 4-Spur-Rekorders.

     
  • James

    Die ca. 20-jährige Bandgeschichte der altgedienten Indie-Haudegen James, mit ihren zahlreichen Stilwechseln und unüberschaubaren Umbesetzungen ist nicht besonders leicht auf einen allgemeingültigen Nenner zu bringen. James sind halt James, also weder eine richtige C-86-Band, noch eine typische Madchester-Rave-Kapelle, auch keine kurzlebige Britpop-Band und sie sind schon gar nicht die neuen Beatles, Smiths oder Stone Roses.

     
  • Gene

    1994 noch als die Reinkarnation der Smiths gefeiert, was aber vornehmlich auf den Vergleich Rossiter=Morrissey zurückzuführen war, konnten Gene im Verlauf der letzten Jahre die englische Presse nur noch schwer begeistern. Dabei haben sie nicht einmal einen besonders großen Fehler gemacht, sondern immer sehr schöne und zeitlose Poprock-Perlen abgeliefert, wovon man sich auch auf dem Best-Of-Album von 2001 überzeugen kann und sollte.