Ich vertrete ja die Meinung, daß jeder richtige Rockfan mit Punkverbundenheit ein Bad Religion-Album in seinen Regalen stehen haben sollte. Ich persönlich besitze die "No Control" aus dem Jahre 1989, 15 Lieder in ca. 25 Minuten. Insgesamt eine runde Sache. Der Streit geht aber spätestens dann los, wenn mich jemand fragt, warum ich nicht noch günstig drei oder vier Machwerke von Bad Religion dazu erwerbe?

Ganz einfach, denn man braucht ja auch nicht für jeden Zahn eine eigene Zahnbürste. (Einwand: Ein "Solo-Med"-Fan schrieb mir neulich, daß mit den Solo-Stix auch dieser Konsum-Traum endlich wahr wird!) Egal, mit ein wenig Glück wird diese Anspielung nicht verstanden und man kommt ungeschoren davon. Falls nicht, dann gibt's vom Gegenüber gehörig eins auf die Fresse - bis selbst die eine Zahnbürste überflüssig ist.
Bei Bad Religion geht es schließlich nicht nur um schnelles Gitarrengeschrammel, sondern auch um intellektuelle bzw. politische und soziale Fragen. Es geht nicht so sehr darum, hip, cool, innovativ und auf der höhe des musikalischen Zeitgeistes zu sein. Bad Religion verkörpern seit Jahren eher das provokative Punk-Ideal, bestimmte Ideen und Ideologien in ihrer Musik zu transportieren und wer gewisse Songs bzw. Platten nun trotzdem miteinander verwechselt, der kann bzw. sollte die Texte lesen. Anders formuliert, wo Bad Religion vorne auf dem Plattencover drauf steht, ist auch Bad Religion drin! Punkt! Ein guter Song ist und bleibt eben ein guter Song!


[PoprockUnion 08/2004]

Bandmitglieder: Greg Graffin (vocals), Brett Gurewitz (guitar), Greg Hetson (guitar), Brian Baker (guitar), Jay Bentley (bass), Brooks Wackerman (drums)
     

Musikstil/-Genre: Punk, Post-Hardcore
     

Vergleichbare Bands: The Offspring, NoFx
    

Ausgewählte Diskographie:

    Suffer (LP, 1988)
    No Control (LP, 1989)
    Against The Grain (LP, 1990)
    Generator (LP, 1992)
    Stranger Than Fiction (LP, 1994)
     

Song-Empfehlungen:

    1. I want to conquer the world
    2. Sanity
    3. 21st Century (Digital Boy)
    4. Atomic Garden
    5. American Jesus
    6. Modern Man
    7. A Walk
    8. Punk Rock Song
    9. Sorrow

  • Giovanni Ferrario

    Vermutlich werden eingefleischte Indie-Fans den Italiener Giovanni Ferrario bereits kennen, wer trotzdem keinen blassen Schimmer hat, so wie ich, der bekommt im April eine neue Gelegenheit die Versorgungslücke zu schließen. Dann veröffentlicht der Hugo Race & True Spirit -Gitarrist, Produzent, Micevice -Kopf und Studiomusiker von PJ Harvey/John Parish nämlich sein erstes Solo-Album auf Solaris Empire/Pocket Heaven .

     
  • Captain

    Abwechslung tut Not und wenn es der Hype-Fahrplan zuläßt, dann ist die Zeit sicherlich reif für eine Band wie beispielsweise Captain. Diese 5-köpfige Newcomer-Band aus London hat sich dem spät-achtziger Gitarrenpop verschrieben. Jetzt liegt ein Album vor, sauber produziert von Trevor Horn (ABC, Propaganda, FGTH, Pet Shop Boys, Seal, TATU, Simple Minds) und mit dem nötigen Schmalz ausgerüstet, eröffnen Captain dem geneigten Indie-Publikum damit einen Klang- und Melodienreichtum, den der WDR-2-Hörer manchmal so gerne verfluchen möchte.

     
  • I Am Kloot

    I Am Kloot kommen aus England und sind eher was für ruhige und dunkle Stunden. Dies beweisen sie auch auf ihrem dritten Album "Gods and Monsters", bei dem die Instrumentierung zwar etwas üppiger und abwechslungsreicher ausgefallen ist als bei den Vorgängern, dennoch findet man weiterhin keine potentiellen Sommerhits oder gar einen Indie-Club-Knaller. Konsequent! Zeitloser melancholischer Gitarrenpop, den man aber tunlichst im Herbst/Winter veröffentlichen sollte.