Cord, bzw. C/O/R/D, sind eine vergleichsweise alte Band. Mehr als 4 Jahre versuchten die Mittzwanziger aus Norwich vergeblich einen Plattenvertrag zu bekommen, bevor sich im Jahre 2004 Sony, East West und Island Records quasi um die Band prügelten. Island bekam den Zuschlag und ein Vertrag über 5 Alben wurde unterzeichnet. Danach wurde das Debüt-Album aufgenommen, einmal mit dem Coldplay-Produzenten Danton Supple, dann ein zweites Mal mit dem Produzenten Martin "Youth" Glover (Killing Joke, Producer von The Verve, Embrace, James, The Music), da viele Songs anfänglich etwas zu steril und perfekt klangen.

Das Album-Debüt "Other People's Lives (Are Not As Perfect As They Seem)" ließ also relativ lange auf sich warten und so darf man nur hoffen, daß Cord nicht ein ähnliches Schicksal wie The Upper Room ereilt. Ihr Debüt ist nämlich ein überaus abwechslungsreiches Album mit vielen guten Songs und der herausragenden Single "Winter", auch wenn der NME unsere Begeisterung nicht unbedingt teilt.
Obwohl dieses Album schon im Oktober 2006 erschienen ist, so sind Cord für uns trotzdem ein ganz heißer Tipp für 2007, denn bis jetzt scheint dieses kleine Meisterwerk irgendwie nicht besonders beachtet zu werden. Na ja, vielleicht ist die Bandbreite bzw. der Stilmix der Band auch einfach zu anspruchsvoll für schnelle Erfolge. Jedenfalls bekommt man auf dieser CD schöne Britpop-Hymnen, Radiohead/Muse-Verzweiflungsausbrüche und psychedelisch-epische Rocknummern geliefert. Ach ja, und mit "Eyes" sogar einen Song, der erstaunlicherweise in Richtung Queens Of The Stoneage geht. Nein, Neo-Postpunk ist nicht dabei, bevor die Frage kommt, aber dennoch (oder gerade deswegen) ein Pflichtkauf für unseren Geschmack.
Update: Leider wurde nichts aus dem 5-Alben Vertrag mit Island Records und Bassist Andrew Walsh hat daraufhin die Band verlassen. Danach wurde Cord kurzer Hand in Tin Man umbenannt.


[Matthias Kammer für PoprockUnion 12/2006]

Bandmitglieder: James Leeds (vocals, guitar), Andrew Walsh (bass), Mike Jackson (guitar), Phil Davison (drums)
    
Musiksti: Indie-Rock, Progressive Rock
    
Vergleichbare Bands: Muse, Puressence, JJ72, Mew, The Automatic, The Sunshine Underground, Queens Of The Stoneage, Echo & The Bunnymen
    

Ausgewählte Diskographie:

    Other People's Lives (Are Not As Perfect As They Seem) (LP, 2006)
    


Song-Empfehlungen:

    1. Winter
    2. Go Either Way
    3. Sea Of Trouble
    4. Best Days
    5. Eyes
    6. Parallel Lives (von Tin Man)

  • Astrid

    Astrid hieß die Freundin des fünften Beatle "Stuart Sutcliffe" und dies war wohl Grund genug für die schottische Band Astrid eben diesen Namen als Bandbezeichnung auszuwählen. Selbstverständlich eine dumme Idee, denn niemand denkt bei Astrid an schönen Indie-Pop, zumal im Vereinten Königreich auch noch eine Sängerin mit diesem Namen herumgeistert. Falls diese im Oktober 2004 noch aktiv sein sollte, dann hat der klügere und bessere Act nachgegeben...

     
  • Duels

    Die Duels sind eine Band aus dem englischen Leeds und wenn wir nicht gleichzeitig den Campsite-Review ins Netz stellen würden, dann würden wir ganz offen sagen, daß die Duels sich auf ihrem Debütalbum oft an den Killers orientieren (Once In The Night, Brothers & Sisters, Things, Potential Futures). Da wir aber auch Meister der unterschwelligen Kritik sind und Tom, wohlgemerkt ein großer Fan dieser Platte, uns freundlicherweise die CD zur Verfügung gestellt hat, müssen wir andere Worte für das Debut "The Bright Lights & What I Should Have Learned" finden.

     
  • Seaport

    Die Band Seaport wurde 2004 in Berlin gegründet, hat mit "Rock'n'Roll Shanties" (08/2006) gerade ihr Debüt-Minialbum veröffentlicht und macht, wenn man den Infos der Plattenfirma glauben darf, doch tatsächlich Britpop. Natürlich ist dies schon verwunderlich, denn eine Band die sich heute freiwillig in die Kategorie Britpop einordnen läßt, schert sich wahrscheinlich wenig um den vorherrschenden Zeitgeist, oder sie hat erkannt, daß es einfach keine gute Postpunk-Band mehr gibt, die man noch unbedingt kopieren müßte. Vielleicht haben Seaport aber auch nur den kommenden Trend im Auge und vermuten, daß ein Britpop-Revival nach 10 Jahren durchaus angebracht wäre.