Eigentlich nicht ganz unser Metier, aber wenn schon mal eine Promo-CD direkt aus Frankreich in den Briefkasten flattert, dann sollte man diesen Umstand auch gebührend zelebrieren. Die Band zur CD heißt Crack Ov Dawn, wurde bereits im Jahre 2002 in Paris gegründet und hat nach "Dawn Addict" (2004) jetzt das Album "White Line" (07/2006) veröffentlicht. Interessanterweise tragen die Band-Mitglieder solch fabulöse Namen wie Sexy Sadie, Britney Beach, Mallaury Murder, Xander Xanax, Spicy Sky und Vinnie Valentine, wobei letzterer die Band schon wieder verlassen hat, möglicherweise weil sein Name dann doch etwas bieder geklungen hat.

Ihren Musikstil bezeichnen Crack Ov Dawn derweil als Shock-Pop bzw. eine Mischung aus Gothic- Glam und 70er Punk-Shock-Rock. Wie soll uns diese Beschreibung aber jetzt weiterhelfen bzw. was will die Band ihren Hörern damit sagen? Sigue Sigue Sputnik, oder was? Egal, wir haben es als subtile Aufforderung verstanden, tunlichst die preiswerte Compact-Anlage zu nutzen, bevor uns der teure Röhrenverstärker um die Ohren fliegt.
Beim Anhören relativieren sich aber dann die Vorbemerkungen, denn ganz so abgedreht klingen Crack Ov Dawn gar nicht, so daß dieser Review letztendlich auch hier nicht völlig fehl am Platze sein wird. Die Musik erinnert dabei entfernt an Bands wie Hardcore Superstar, Hellacopters, Backyard Babies, Saigon Kick, oder auch The 96 Eyes, wobei Texte und Band-Attitüde natürlich extrem vorpubertärer Mist sind, so daß Sido bestimmt seine helle Freude daran hätte. Musikalisch ist die Mischung aus Glam, Punk, Goth und Sleaze mit elektronischen Einsprengseln jedenfalls weitestgehend erträglich ausgefallen, denn die Refrains sind eingängig und es ist poppig und massenkompatibel produziert. Selbstverständlich ist diese Musik zu seicht für echte Metal-Fans und die fehlende Gothic-Opernsängerin wird die Evanescence-, Within Temptation- und Nightwish-Fans verstören. Freunde von "Fly-Die-Cry"-Reimen und "I wanna fuck you fucking fuck"-Lyrics werden aber aus dem Staunen nicht herauskommen, soviel ist sicher.


[PoprockUnion 05/2006]



Bandmitglieder: Britney Beach (vocals, guitar), Sexy Sadie (guitar), Spicy Sky (guitar), Mallaury Murder (bass), Xander Xanax (drums)

Musikstil: Glam-Rock, Sleaze, Gothic

Vergleichbare Bands: Saigon Kick, Hardcore Superstar, The 69 Eyes, Backyard Babies
    

Ausgewählte Diskographie:

    Dawn Addict (LP, 2004)
    White Lines (LP, 2006)
     

Song-Empfehlungen:

    1. Don't Die Again
    2. Love Injection
    3. New Dead World
    4. From My Shades

  • China Crisis

    Eine eher unspektakuläre Synthi-Pop-Formation der 80er Jahre war China Crisis. Ihre sanften und vertäumten Popsongs waren zwar allesamt sehr nett und vortrefflich arrangiert, aber durch die fehlenden Ecken und Kanten auf Dauer auch ziemlich einschläfernd.

     
  • The Sunny Street

    The Sunny Street kommen aus Frankreich, leben aber in London und sind ein Impulskauf von mir gewesen, obwohl man bei Ebay eher nicht von richtigen Impulskäufen sprechen sollte. Schließlich muß man beobachten, mitbieten, auf das Auktionsende und den Postboten warten. Trotz alledem gab es diesen Impuls, welcher bei mir immer dann eintritt wenn ich Bandnamen wie "The Sunny Street" in Verbindung mit dem Wort "Twee" lese.

     
  • Blondie

    Die US-Band Blondie, benannt nach ihrer superblonden Sängerin, zählt zu den wichtigsten Vertretern der US-New Wave-Bewegung, obwohl sie ihre größten Erfolge hauptsächlich in England bzw. Europa feiern konnte. Innerhalb ihrer aktiven Zeit von 4 Jahren (1978-1982), hatten Blondie dauerhaften Chart-Erfolg, und zahlreiche Top-Ten-Hits. Darunter so tolle Singles wie Denis, Hanging on the telephone, Heart of glass, Sunday girl, Atomic, Call me, The tide is high und Rapture.