Ein wichtiger Aspekt und Grundgedanke hinter dieser Webseite findet sich in der Tatsache, daß man auch im Zeitalter eines fast globalen Marktes nicht davon ausgehen darf, daß die offiziell veröffentlichten Tonträger und gut vermarkteten Audiodateien die Vielseitigkeit der produzierten und aufgeführten Musik abbilden und die potentiellen Käufer auch nur annähernd kompletten Zugriff auf die veröffentlichte Musik hätten. Die kommerziellen Zwänge in der Musikindustrie führen bei den sogenannten Major-Labels nämlich notwendigerweise zu einer Tendenz, den Markt mit einem engen Produktportfolio, dessen Verkaufsaussichten bereits erwiesen sind, in kürzester Zeit vollständig zu sättigen (Stichworte: Bandwagon Jumping, mißverstandenens Benchmarking, kurzfristige Gewinnmaximierung, Sell-Out). Diese einseitige Marktbearbeitungstrategie der großen Plattenfirmen verstopft damit weitgehend die etablierten Vertriebskanäle und Promotionsinstrumente, so daß die musikalische Innovation, die Erschließung neuer Marktnischen und der Aufbau neuer Künstler auch weiterhin den kleinen Independent-Labels oder DIY-Strategien vorbehalten bleibt. Irgendwann sind aber auch Eigenvertriebsstrategien und Indie-Label durch Distributionsverträge von den großen Plattenfirmen abhängig, wenn sie Künstlern zu größerer Bekanntheit verhelfen und kommerziell erfolgreich sein wollen.

In letzter Konsequenz führt dies nun dazu, daß breite Käuferschichten sich nicht etwas aneignen können, zu dem sie keinen oder nur einen sehr begrenzten Zugang bekommen. Andererseits sind diese Schwierigkeiten aber auch eine wichtige Grundlage für die Entstehung von Underground-Bewegungen (z.B. Britpop, EBM, Gothic, New Wave, Shoegazer) da sich so gewisse Musikstile länger in Subkulturen oder Szenen halten können, um dort als Ausgangspunkt zur Abrenzung und Individualisierung von der massenmarktbezogenen Mainstream-Musik genutzt zu werden. Als Nebeneffekt entstehen so aus der Not der Beschaffungsproblematik heraus, hoch involvierte Gruppen von Intensivkäufern mit einer engen emotionalen Verbindung zu einer Musikrichtung, einem Label bzw. einer Band. Denn es kostet Mühe, Zeit, Wissen, Geschmack und Geld die gewünschte Musik zu finden, was im Endeffekt die Geschmacksbildung weiter in Richtung kleinere, spezialisiertere Musikszenen vorantreibt und sich auf den Avantgarde-Begriff oder den Widerspruch von Kunst und Kommerzialisierung zuspitzen läßt.

Während sich also im Streaming & Download-Zeitalter der Musikmarkt immer weiter in Richtung Kurzlebigkeit und Wegwerfmusik bewegt, verlagert sich Musik in die weltweit verstreuten spezialisierten Szenen von Musikbegeisterten, deren Informations- und Kommunikationswege sich fernab des Profitstrebens der großen Konzerne befinden.

 

  • Athlete

    Mit ihrem Debüt-Album "Vehicles & Animals" hat die Londoner Band Athlete direkt einen zeitlosen Britpop-Klassiker abgeliefert. Das ist aber nicht ganz so positiv wie es klingt, denn seit 1997 wissen wir ja, daß Britpop keineswegs zeitlos ist. Es bleibt also manchmal ein etwas fader Beigeschmack bei diesem altem Wein in neuen Schläuchen. Oder anders formuliert, zu wenig Flaming Lips und Beta Band hier, zuviel Space und Eskobar dort.

     
  • The Kooks

    Eine neue Liebe für tanzende Indie-Pop-Mädels mit romantischer Ader und einer Affinität zum Mitsingen. Mit Sicherheit. Sommer-Musik. Einfache Texte, schöne Melodien, auch mal akustisch, vor allem: einprägsam nach den ersten paar Durchläufen. Und wenn der Lockenkopf-Sänger seine Stimme erhebt, kanns auch mal dreckig-rotzig klingen. Überhaupt: Die Stimme ist unglaublich wandelbar. Klar, da fallen einem haufenweise Vergleiche ein, vom etablierten Indie-Pop Marke Nada Surf über britischer New-Wave-Trend à la Arctic Monkeys bis zu Garage-Pop wie wir es von Mando Diao kennen.

     
  • Curve

    Ein hübsche Sängerin, zarte Melodien und meterhohe Feedback-Gitarrenwände waren das Rezept der Band Curve, was für einige Erfolge in den Independent-Charts ausreichte. 1995 hatte Sängerin Toni Halliday noch mit Leftfield und der Single "Original" einen kleineren Chart-Hit.