Friedemann Weise - Coverart- Pressefoto

Vermutlich wird Friedemann Weise oft mißverstanden. Deshalb stellt er wohl auch gleich im Titelsong des ähnlichnamigen Debütalbums klar, daß hier " deutschsprachiger, textbetonter Rock 'n' Roll " gemacht wird. Dementsprechend, haben wir auf dieser Platte 10 Meisterwerke des geistreichen Understatements gefunden. Denn man muß nicht nur sämtliche E-Gitarren, Drumcomputer und Billig-Synthesizer des Album-Covers besitzen, nein, man muß sie auch gekonnt ein- und in Szene setzen.

Friedemann folgt weise seinem Gespür für gute Indierock-Refrains ohne den Pfad der fröhlichen Trash-Pop Wissenschaft zu verlassen: Ska, Indiepop, Deutsch-Rock'n'Roll, Kirmes- und Elektronikmusik werden sauber gemischt, gut verquirlt, woraus ein abwechslungsreicher musikalischer Mix mit luftigem Charme entsteht, der anscheinend ohne eine erzwungene Kraftanstrengung auskommt. Musikalisch darf und muß man mit fast allem einverstanden sein, denn endlich ist da mal jemand zwischen Hamburger Schule und Berliner-Hauptstadt-Hipness, der die unendlichen Möglichkeiten des Homerecording-Hi-Tech-Pop-Trash voll auslotet. Schön zu hören, wenn das richtige musikalische Equipment in die Hände von Leuten mit Verstand fällt. Während die Lieder direkt ins Ohr gehen und dort mit intelligentem Songwriting schmeicheln, sind die Texte von Friedemann Weise mit ausreichend Bildungsballast und subtilem Humor gespickt, so daß dieses schöne Debütalbum gleich auf zwei Ebenen funktioniert. Der Stil- und Sound-Brei bleibt zu jeder Zeit samtig und konsistent, ebenfalls vorhanden, eine Textkomponente die intelligenten Spaß vermittelt und die sympathische Do-it-Yourself/Punk-Attitüde. Nun gut, dann eben drei Ebenen! Natürlich sind Idee und Zutaten nicht völlig neu, aber das Gesamtkonzept stimmt hierbei irgendwie. Bei aller musikalischen Verspieltheit, Indie-Zeitgeist am ökonomischen Rand zur Selbstausbeutung und (Selbst-)Ironie, bewahrt Friedemann Weise immer die nötige Authentizität. Kurz gesagt: dies ist eine gute Platte. So gut wie eine deutsche Trash-Indierock-Platte eben sein kann und Friedemann Weise scheint der Mann zu sein, von dem man noch einiges erwarten kann, auch wenn er sich nächste Woche auf dem Flohmarkt eine Typenradschreibmaschine kaufen sollte.

[Marc Hendricks - PoprockUnion - 08/2009]


Bandmitglieder: Friedemann Weise (vocals, guitar), Jan Loewenhaupt (drums)

Vergleichbare Bands: Bernd Begemann, Andreas Dorau, Frank Spilker, They Might Be Giants, Rio Reiser, Sportfreunde Stiller


Ausgewählte Diskographie:

Friedemann Weise (CD, 2009)


Song-Empfehlungen:

1. Friedman Wiese
2. Worauf warten wir
3. Rettete
4. Auf der Welt


  • The Early Years

    The Early Years, auch wieder eine neue und interessante Band aus dem Vereinten Königreich. Als ich deren CD zum ersten Mal bei einem Freund hörte, mußte ich unweigerlich an Kraftwerk denken. Allerdings ist ein Kraftwerk-Vergleich für die meisten Leser natürlich eher irreführend, denn so richtig kommt der Fan elektronischer Musik hier nicht auf seine Kosten.

     
  • The Departure

    Sagen wir es mal so, mit kühler Eleganz und den nötigen New Wave/80er-Gothic-Rock Reminiszenzen wird hier abermals jenes lange Zeit totgeschwiegene Erfolgsrezept bedient, um nicht die Gang Of Four oder Franz Ferdinand erwähnen zu müssen. Das Debüt-Album von The Departure "Dirty Words" ist am 20. Juni 2005 erschienen und in einem Jahr werden wir sagen müssen, gerade noch rechtzeitig, aber für den großen Erfolg vielleicht doch eine Spur zu spät.

     
  • Carter U.S.M.

    Die musikalischen Wurzeln von Carter USM (für Carter The Unstoppable Sex Machine) lagen eindeutig im Punkrock, aber der Einsatz von energiegeladenen Keyboard-Sounds und einem dauerhaft ratternden Drum-Computer, verhalf zu einem eigenartigen Stilmix. Dieser Hi-Speed-Gitarrenpop paßte zwar nicht unbedingt zum hypnotischen Manchester-Rave-Sound von 1991, aber beliebt und tanzbar war er allemal.
    So konnte 1992 - The Love Album den ersten Platz der Charts in Großbritannien erreichen und mit der Single "The Impossible Dream" versuchten Carter USM sogar den im Vereinten Königreich traditionell sehr beliebten Weihnachtshit zu landen. Insgesamt eine sehr sympathische Band der 90er mit viel Humor und brillianten Ideen.