Wie kann man Oasis nicht für die beste Band der Welt halten, fragen die Fans. Wie kann man nur so arrogant sein, fragen die anderen. Ja, Oasis sind arrogant, geben Konzerte, bei denen man von vornherein weiß, dass sie schlecht sein werden und nur hoffen kann, dass Sänger Liam das Konzert nicht auch noch vorzeitig abbricht. Aber, verdammt, sie haben diese zwei ersten Alben - "Definitely Maybe" und "(What's The Story) Morning Glory" - vollbracht, möchte man sagen. Und damit sind sie in die Musikgeschichte eingegangen. Die meisten B-Seiten aus dieser Zeit sind um Längen besser, als vieles, was auf den letzten vier Alben gelandet ist (z. B. Talk Tonight, Aquiesce, The Masterplan, um nur drei zu nennen.)

Oasis wissen selbst, dass alles, was danach kam, nicht heranreicht an diese Meisterwerke, spielen je nach Set kaum bis gar keine Songs von "Be Here Now", "Standing On The Shoulder Of Giants" und "Heathen Chemistry" live. Dennoch scheint der Patient auf dem Weg der Besserung zu sein. Das im Juni 2005 erschienene "Don't Believe The Truth" konnte den Kritikern endlich wieder ein paar positive Stimmen entlocken. Das beste Album seit - ja, genau, den ersten beiden Alben eben. Seit Gitarrist Noel Gallagher sein Songwriting-Monopol mit seinem Bruder und dem Rest der Band (der in den letzten Jahren mehrmals ausgetauscht wurde) teilt, scheint zumindest die Harmonie in der Band einigermaßen zu stimmen. Noel schreibt noch immer die besseren Songs, ihm ist der Erfolg zu verdanken. Man fragt sich, warum Liam überhaupt in dieser Band ist. Aber wahrscheinlich wären Oasis ohne die Streitereien zwischen den Gallagher-Brüdern und ihren sonstigen Skandalen nicht so berüchtigt geworden. Wie weit so etwas führen kann, hat uns ja Pete Doherty 2005 eindrucksvoll vorgeführt. Oasis sind die Britpop-Band, die den Hype (vielleicht am eindrucksvollsten) überlebt hat. Und zumindest immer noch Geld verdient und Hallen füllt, mit einer Musikrichtung, die eigentlich seit 1997 das Zeitliche gesegnet hat.

[Juliane Ried]


Bandmitglieder:  Liam Gallagher (vocals), Noel Gallagher (guitar, vocals), Andy Bell (guitar), Gem Archer (bass), Zak Starkey (drums)

Musikstil:  Britpop, Indie Rock

Vergleichbare Bands:  Ocean Colour Scene, The Verve, Paul Weller, Cast, Northern Uproar, The Supernaturals, Travis


Ausgewählte Diskographie:

Definitely Maybe (LP, 1995) 
Morning Glory  (LP, 1997)  
Be Here Now (LP, 1999)  
Standing On The Shoulder Of Giants (LP, 2001)  
Heathen Chemistry (LP, 2003)  
Don't Believe The Truth (LP, 2005)


Song-Empfehlungen:

1. Whatever
2. Live Forever
3. Cigarettes & Alcohol
4. Supersonic
5. Champagne Supernova
6. Wonderwall
7. Don't Look Back In Anger





  • Counting Crows

    Musikalisch mag dies manche Leser in die Irre führen, aber bei den Countring Crows fällt mir spontan immer folgende Textzeile von Baxendale ein: "Well if this is really music I wouldn't want it in my world. Well if this is really music, this is music for girls." Vielleicht ist es aber auch gerade dieser tiefgründig vorgetragene Neofolk bzw. der geradlinige Bluesrock der Counting Crows, welcher mir persönlich den intellektuellen Zugang verbaut.

     
  • Interpol

    Post-Punk bzw. New Wave der frühen 80er Jahre, gepaart mit den heutigen technischen Möglichkeiten. Interpol aus New York klingen düster und atmosphärisch dicht, aber ohne dabei einen nichtsagenden Soundbrei entstehen zu lassen. Jedem einzelnen Instrument wird die nötige Aufmerksamkeit geschenkt - ein dominanter Part, ein gezieltes Break, eine eigene Ebene. Es entsteht das Gefühl als wollten sich geniale Musiker gegenseitig an die Wand spielen, ohne das es dem einzelnen jemals gelingen könnte.

     
  • We Are Scientists

    Bei uns erscheint das We Are Scientists Major-Debüt "With Love and Squalor" erst im März 2006 - etwas spät könnte man jetzt meinen. Ganz passend heißt dann auch ein Titel "This Scene is Dead". Trotzdem ist dieses Album uneingeschränkt empfehlenswert für all diejenigen, die einfach alles haben wollen, oder für Indie-Fans, denen noch ein 36-Minuten-Ritt durch die Post-Punk-Hits des Jahres 2005 in der Sammlung fehlt. Der Song "Worth the Wait" klingt wie Hot Hot Heat, der Rest liegt irgendwo zwischen Maximo Park, Bloc Party und The Killers.