The Mary Onettes - Bandfoto (by Henrik Mårtensson)

Für mich sind The Mary Onettes das, was für Mitredakteure, unseren Seitenbetreiber und andere Indiepop-Blogs eine Band wie Voxtrot im letzten Jahr war. Eine Band mit eindeutigen Verweisen an die guten alten 80er-Jahre-Indie-Zeiten. Ferner, eine Band mit geschmackssicheren Referenzen, keinem schlechten Song in ihrem noch übersichtlichen Repertoire und einer Plattenfirma (Labrador Records) im Rücken, die für ihr homogenes und stimmiges Band- und Soundumfeld bekannt ist.

 

The Mary Onettes wurden im Jahre 2000 in der schwedischen Kleinstadt Jönköping gegründet. 2005 wurde die Band für eine EP (Make Me Last) von Sony/BMG unter Vertrag genommen. Trotz guter Reviews wurde die besagte Plattenfirma dadurch nicht zu weiteren Veröffentlichungen bzw. einem länger währenden Major-Vertrag angeregt. Glücklicherweise schickte die Band aber einige Monate später eine ihrer Demo-CDs an das schwedische Indie-Label Labrador und unterzeichnete daraufhin noch im selben Jahr dort einen Plattenvertrag für ein komplettes Album. Im Herbst 2006 wurde dann der Song "Lost" auf der Labrador-Webseite zum freien Download angeboten und wenig später folgte die gleichnamige EP als erster Beweis für die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Band und Label.
Wie nicht anders zu erwarten, passen The Mary Onettes vom Sound her sehr gut in das typische Labrador-Angebot. Wer The Legends, The Radio Dept. oder South Ambulance mag, der wird höchstwahrscheinlich auch TMO mögen, selbst wenn die Synthie-Pop-Elemente hier noch nicht so eine dominante Rolle einnehmen. Die Wurzeln liegen eher im 80er-Indie-Gitarrenpop, d.h. es gibt Anleihen beim Twee-Pop (Sarah Records) oder auch beim Gothic-Rock/Wave-Pop (Beggars Banquet, 4AD, Situation Two). Definitiv eine Band für den Merkzettel 2007.
[Update]: Mittlerweile ist das langersehnte Debütalbum der Mary Onettes erschienen, d.h. in Deutschland wird es am 22. Juni veröffentlicht. Deshalb möchte ich unsere Rezension vom Januar etwas ergänzen. Das selbstbetitelte Album erfüllt die hohen Erwartungen, auch wenn leider nur 10 Titel auf dem Album sind, einige Songs (Void, Lost, Explosions) schon auf den älteren EPs veröffentlicht wurden, andererseits aber die tollen Songs der ersten EP (Make Me Last, Concrete) keine Berücksichtigung fanden. Letzteres muß man wohl den unterschiedlichen Plattenfirmen (s.o.) bzw. Rechteinhabern zuschreiben.
Jedenfalls sind The Mary Onettes ihrem Sound weitgehend treu geblieben. "The Laughter" klingt nach The Cure, "Slow" geht grob in Richtung Pet Shop Boys und für "Still" hat "Cloudbusting" von Kate Bush die Vorlage geliefert. Die wunderbar altmodisch klingende Indie-Hymne "Explosions" hätte Sofia Coppola ebenso für das Filmende von "Lost in Translation" reservieren können wie... ihr wisst schon. Auch wenn die vier Schweden auf diesen filmischen Ritterschlag verzichten mußten, so sind die Titel "Explosions" und "Lost" jetzt in Staffel 3 der Ärzteserie Grey's Anatomy zu hören. Genauer gesagt in den Folgen S03E25 und S03E22 - dies nur als Service-Info für die Serienjunkies.
Definitiv eines der besten Alben dieses Jahres und stimmlich erinnert Sänger Philip Ekström tatsächlich desöfteren an Morten Harket von A-ha (z.B. bei Void, Under The Guillotine, Pleasure Songs). Eine äußerst sympathische Band, die wohlgemerkt immernoch keinen schlechten Song aufgenommen hat.
Im August wird die Band übrigens für zwei Konzerte nach Deutschland (Hamburg & Berlin) kommen, eine längere Tour ist für den Oktober geplant.


[Matthias Kammer 01/2007 u. Marc Hendricks 06/2007 für PoprockUnion]

Bandmitglieder: Philip Ekström (vocals, guitar), Henrik Ekström (bass), Petter Agurén (guitar), Simon Fransson (drums)
     

Musikstil/-Genre: Gothic-Rock, Dark Wave
     

Vergleichbare Bands: The Cure, Echo & The Bunnymen, Starky, The Jesus & Mary Chain, A-ha, Psychedelic Furs, New Order, The Legends, Strip Music, Clan Of Xymox
    

Ausgewählte Diskographie:

Make Me Last (EP, 2005)
Lost (EP, 2006)  The Mary Onettes - Lost - EP
The Mary Onettes (self-titled, LP, 2007)
Islands (LP, 2009)
     

Song-Empfehlungen:


1. Lost
2. Concrete
3. Explosions
4. Void
5. Make Me Last
6. Still
7. Pleasure Songs
 

  • Hard-Fi

    Hard-Fi, wieder eine frische Band aus England, genauer dem West-Londoner Vorort Staines. Hinter ihrem häßlichen gelben Cover mit Überwachunskamera (Stars of CCTV) verbirgt sich ein solides und sauber produziertes Debüt-Album. Hard-Fi klingen also nicht dreckig, der trendige Postpunk-Einfluß hält sich in Grenzen und auch den üblichen Coldplay-Konsens-Pop gibt es hier nicht. Wer jetzt was richtig originelles und eigenständiges von Hard-Fi erwartet wird aber ebenso enttäuscht.

     
  • Donots

    Ziemlich kleinlaut bezeichnen sich die Donots in ihrer lustigen Band-Biographie rückblickend als "peinliche Provinz-Kapelle", was natürlich vollkommener Blödsinn ist und ihnen nicht im geringsten gerecht wird. Die Donots aus Ibbenbüren sind nämlich eine großartige Provinz-Kapelle und sie spielen melodischen Alternative-Rock (a.k.a. Punk, Emo), der sicherlich auch Mehmet Scholl gefallen würde.

     
  • Gene

    1994 noch als die Reinkarnation der Smiths gefeiert, was aber vornehmlich auf den Vergleich Rossiter=Morrissey zurückzuführen war, konnten Gene im Verlauf der letzten Jahre die englische Presse nur noch schwer begeistern. Dabei haben sie nicht einmal einen besonders großen Fehler gemacht, sondern immer sehr schöne und zeitlose Poprock-Perlen abgeliefert, wovon man sich auch auf dem Best-Of-Album von 2001 überzeugen kann und sollte.