Eine zeitlose Band bzw. auch eine Band mit wenig Zeitgefühl, denn normalerweise müßten sich And Also The Trees schon längst aufgelöst haben. Es gibt nämlich nicht viele Bands die seit mehr als 25 Jahren relativ erfolglos Musik machen. Die düster-romantischen Klangwände von AATT lassen dabei erahnen, daß sich die Fangemeinde vor allem aus dem Gothic-Lager rekrutieren dürfte. Auf den großen Durchbruch müssen Fans und Band also noch ein paar Jahrzehnte warten.

Dennoch waren und sind And Also The Trees vor allem berühmt für den sog. "Wall of Sound" ihrer Gitarren, gepaart mit der tiefen und durchdringenden Stimme von Sänger Simon Huw Jones. Ihre Songs vermitteln die Kälte und Melancholie die den Gothic-Rock berühmt gemacht hat, besonders wenn Justin Jones die Gitarren-Wände auftürmt und das Instrument fortan wie ein Balalaika-Orchester erklingt. So wie beim sich langsam aufbauenden und bedrohlichem Song "Slow Pulse Boy", der sich so wunderbar in einer melodisch-kraftvollen Balalaika-Gitarrensalve entlädt. Leider hatte die Band zwischenzeitlich etwas den Faden verloren, so daß die alten Fans auf den Alben "The Klaxon" und "Angelfish" einige Stil- und Soundveränderungen hinnehmen mußten. Die einst effektbeladene Gitarrenwand kam abhanden und vermehrt offenbarten sich Jazz-Einflüsse in der Musik der "Trees". Dabei waren And Also The Trees vormals eigentlich eine dieser typischen New Wave/Gothic-Bands, mit düster-melancholischem Gesang und jener bereits erwähnten Gitarrenbetontheit. Trotzdem sind auch die Bar-Jazz-Momente in AATT musikalische Identität integrierbar gewesen, denn in vielen Songs findet man immernoch die Melancholie mit ihren immer wieder scheiternden Ausbruchsversuchen. Und auch wenn AATT niemals aus dem Schatten von The Cure heraustreten konnten, wer "And Also The Trees" einmal auf der Bühne gesehen hat, vergißt sie so schnell nicht mehr. Das wird auch Robert Smith gerne bestätigen.


[PoprockUnion 04/2002]

Bandmitglieder: Simon Jones (vocals), Justin Jones (guitar), Steven Burrows (bass), Paul Hill (drums)    

Musikstil: Gothic-Rock, Post-Punk
    
Vergleichbare Bands: The Cure, Joy Division, Kitchens Of Distinction, Legendary Pink Dots, Nick Cave, Crime And The City Solution

Ausgewählte Diskographie:

Virus Meadow (LP, 1984)
The Millpond Years (LP, 1988)
Farewell To The Shade (LP, 1989)
Green Is The Sea (LP, 1992)
The Klaxon (LP, 1993)
Further From The Truth (LP, 2003)
When The Rains Come (LP, 2009)
    
Song-Empfehlungen:

1. Slow Pulse Boy
2. Talk Without Words
3. Virus Meadow
4. Shantell
5. The Secret Sea
6. The House Of The Heart

  • Cabaret Voltaire

    Cabaret Voltaire aus Sheffield gehören zu der schwer zugänglichen Avantgarde des 80er Synthie-Pops. Mit Tonbandgeräten und allen erdenklichen elektronischen Klangerzeugern versuchten sie damals althergebrachte Hörgewohnheiten zu verändern. Natürlich waren Cabaret Voltaire mit dieser Herangehensweise zu jener Zeit nicht mit dem vorherrschenden Massengeschmack vereinbar.

     
  • Fad Gadget

    Fad Gadget (alias Frank Tovey) war 1979 der erste Künstler auf dem heute weithin bekannten Mute Label (Depeche Mode, Erasure) und er gilt als richtungsweisend in Sachen elektronischer Musik. Mit seinen exzentrischen Bühnenshows und hart-düsteren Synthesizer-Klängen wurde Fad Gadget zur Kultfigur und kann als Vorläufer für Industrial und EBM angesehen werden. Fad Gadget machte nur sehr selten Zugeständnisse an die Hitparaden, ähnlich wie die Postpunk-Band Gang Of Four, mit denen Frank Tovey auch eine gewisse Grundhaltung teilte.

     
  • Ash

    Was kann man tun wenn der Verstärker bereits an allen Reglern die 10 erreicht hat? Richtig, man dreht ihn weiter auf bis zur 11, werden Spinal Tap-Fans jetzt sagen! Was kann aber ein Rockmusiker tun, wenn er mit 19 Jahren schon alles erreicht hat? Nichts, er kann nur verlieren - seine alten Fans, seine zukünftigen Charterfolge, bestenfalls nur seine jetzige Band. Diese Erfahrung hat auch Tim Wheeler, Sänger der Nord-Irischen Band "Ash", gemacht bzw. wird er noch machen.