Die Independent Rockband Spellbind veröffentlicht im März 2008 ihren zweiten Longplayer. Die neue Platte der Band trägt den Namen "7000". Was sich vor gut zwei Jahren mit dem Debütalbum "Cocoon" andeutete, wird auf dem zweiten Album nun perfektioniert.

Die vier Nürnberger, die 2001 als ein akustisches Trio begonnen hatten, präsentieren auf ihrer neuen CD eine Vielzahl an kraftvollen Rocksongs, die mit ausgefeiltem Songwriting begeistern. Die Musik ist zeitloser Indierock: intensiv, treibend, mitreißend. Geradlinig, aber mit Psychedelia-Einsprengseln und interessanten Arrangements, die die Aufmerksamkeit hoch halten.

 Die genaue Stilrichtung von Spellbind ist dennoch schwer zu fassen, zu viele Einflüsse werden hier eingängig, aber stets druckvoll, vermischt. Sicherlich könnte man einen groben Bereich abstecken, welcher dann zwischen Britpop und Alternative-Rock liegen würde, aber das wäre ja nur bedingt hilfreich. In diesem Topf steckt ja so ziemlich alles, was in den letzten 30 Jahren eine Gitarre bearbeitet hat.

Jedenfalls macht bei Spellbind das Herz eines jeden Gitarrenverzerrer-Freundes einen Freudensprung. Verzerrte Gitarren, im nächsten Moment sanft-melodiöse Passagen, plötzliche Schlagzeugattacken und eingängige Refrains machen das Album "7000" zu einem ausgewogenen, abwechslungsreichen Rockalbum.

Was ebenfalls sofort begeistert, ist die fast perfekte Produktion, die man entweder bei voller Lautstärke unter einem großen Kopfhörer geniessen sollte, oder via Lautsprecher, wobei auch dabei die Betonung auf der ersten Silbe liegen sollte. Der Song "Sad Days Go By" läßt am deutlichsten die Smashing Pumpkins-Anleihen von Spellbind aufblitzen, gerade was die Gitarrenarbeit und Songstruktur anbetrifft. Harter Gitarrenrock mit Hang zum Schwermut.

"Soapbox Race", die erste Single-Auskopplung, ist ein solides Indierock-Stück, das gut zwischen Foo Fighters und Slut bzw. Miles passen würde. Champagne ist punkiger Power-Pop mit Mainstream-Tauglichkeit. "Superstition" zeigt Stoner-Rock-Wurzeln und bei "The Sense" merkt Ihr was ich merke? - "Wenn ich den Output verstärke."

Überhaupt scheint es Spellbind um die Vereinigung von Energie und Melodie zu gehen. Wir, die so etwas schätzen, behalten deshalb Spellbind im Kopf, während wir in unsere geistigen Notizbücher die frühen Smashing Pumpkins und die rockigere Seite von Miles eintragen und zufrieden nicken. "7000" merkt man zu jedem Zeitpunkt an, daß hier eine talentierte Band eine gute Platte gemacht hat.

An einigen Stellen bestimmt jedoch zu offensichtlich das Kalkül die Richtung, so als wäre man zur Rock-Universität gegangen, wo man jetzt eine perfekt recherchierte Abschlußarbeit abliefert. Wohlgemerkt, eine Abschlußarbeit mit Traumnote, denn zugleich wird auch das Gefühl vermittelt, daß hier einfach zwanglos und frei aufgespielt wird. In jedem Fall ist "7000" ein Album, das sich dauerhaft im Ohr fest setzt und an dem man sich nicht so schnell satt hört.

[Marc Hendricks 02/2008 für PoprockUnion]

Bandmitglieder: Chris H. (vocals, guitar, keyboards), Oliver Jainta (guitar), Jonas Bachmann (bass), Dominic Brochier (drums)

Musikstil: Alternative-Rock, Britpop

Vergleichbare Bands: The Smashing Pumpkins, Miles, Readymade, Slut, Nada Surf, 3 Doors Down, Foo Fighters, Jimmy Eat World , Dinosaur Jr , Silversun Pickups

Ausgewählte Diskographie:

Cocoon (LP, 2005)
7000 (LP, 2008)

Song-Empfehlungen:

1. Soapbox Race
2. Champagne
3. Song 7000
4. Nylon
5. Ebow

  • Lycosia

    Falls wir richtig informiert sind - und das sind wir für gewöhnlich, auch wenn wir uns meistens dumm stellen - veröffentlicht die französische Band Lycosia im Herbst 2006 mit ApokaLipstik bereits ihr 4. Album. Für eine treffende Rezension wäre es nun von Vorteil zumindest eines der Vorgänger-Alben zu kennen... Wählen wir also sicherheitshalber die akribisch-systematische Herangehensweise und sehen uns an, was die Band bzw. die Plattenfirma so sagt.

     
  • The Early Years

    The Early Years, auch wieder eine neue und interessante Band aus dem Vereinten Königreich. Als ich deren CD zum ersten Mal bei einem Freund hörte, mußte ich unweigerlich an Kraftwerk denken. Allerdings ist ein Kraftwerk-Vergleich für die meisten Leser natürlich eher irreführend, denn so richtig kommt der Fan elektronischer Musik hier nicht auf seine Kosten.

     
  • Editors

    Wem die musikalische Grundversorgung mit zwei Interpol-Alben nicht ausreicht, der kann seit dem 25. Juli 2005 auch zum Editors-Album "The Back Room" greifen. Die Editors, wohlgemerkt ohne vorangestelltes "The", kommen aus Birmingham und dürfen deshalb als die englische Antwort auf Interpol angesehen werden, denn nicht nur stimmlich erinnert so einiges an die erfolgreichen New Yorker.